Mittwoch, 17. Februar 2010

Mathilde - Eine große Liebe (2004)

Auch wenn sich der deutsche Titel MATHILDE schamlos an den großen Erfolg des Quasi-Vorgängers "Amelie" (Regie ebenfalls Jean-Pierre Jeunet, Hauptrolle ebenso die bezaubernde Audrey Tautout) hängen will, kann ich bei der Beurteilung des Films nur sämtliche Waffen strecken und sagen - wundervoll. Zum Schmachten, Dahinschmelzen, Genießen, dabei fast kitschfrei und so voller visueller, akustischer und erzählerischer Ideen, dass es locker für mehrere Filme gereicht hätte.

Audrey Tautout spielt MATHILDE, das zarte Mädchen mit starkem Herz, noch stärkerem Willen und einem steifen Bein. Wir schreiben das Jahr 1920, und Mathilde kann nicht glauben, dass ihre große Liebe Manech (Gaspard Ulliel) im Krieg gefallen sein soll. Ihre Nachforschungen bringen sie nicht nur in gefährliche und abenteuerliche Situationen, sie begegnet auch äußerst bemerkenswerten Menschen und kommt der Wahrheit immer näher, bis dann... tja, bis dann der geneigte Zuschauer sich wünscht, der Film würde ewig weitergehen.

Jean-Pierre Jeunet erzählt MATHILDE - ähnlich wie "Amélie" - mit viel skurrilen Charakteren, technischen Spielereien und eigenwilligen Einstellungen, diesmal aber nicht quietschbunt, sondern düster, schwer, oft grotesk, aber immer überlebensgroß. Die Kamera von Bruno Delbonnel erschafft dabei Bilder, die Motiven der zeitgenössischen Kunst, Gemälden, Schattenrissen und auch Postkarten, nachempfunden sind, und die vor lauter Details beinahe die Leinwand bzw. den Bildschirm sprengen. Hat man als Zuschauer zunächst etwas Mühe, den vielen Namen, Geschehnissen und Hintergründen zu folgen, gerät man schnell immer tiefer in die Welt der Mathilde.

Mathilde selbst ist ein Musterbeispiel an Figurenreichtum und wird von Audrey Tautout perfekt und weit entfernt von der elfenhaften "Amélie" gespielt. Ihre Mathilde ist ebenso eigenwillig wie verletzlich, halsstarrig, erfinderisch und traurig. In den Nebenrollen tummeln sich einige bekannte Gesichter aus "Amélie" sowie - sehr überraschend - Jodie Foster in einer kleinen, aber wichtigen Rolle. Herausragend ist Tina Lombardi ("Liebe mich, wenn du dich traust") als mörderische Prostituierte, die sich parallel zu Mathilde ebenfalls auf der Suche befindet, doch nicht nach Erfüllung, sondern nach Vergeltung. Ihre Geschichte allein ist so stark, dass sie mühelos einen eigenen Film tragen würde.

Selbst wenn die Schrecken des Krieges nie wirklich angemessen filmisch aufbereitet werden können, so werden sie von Jeunet doch kraftvoll, hoch-emotional und gebührend abstoßend inszeniert. Einige Sequenzen bleiben unvergesslich, etwa wenn Mathilde und Manech als Kinder den großen Leuchtturm erklimmen und die Kamera sie inmitten des grandiosen Panoramas einfängt. Dazu hat Angelo Badalamenti einen Score komponiert, der bewegt und tief unter die Haut geht. Großes Kino!

9.5/10

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