Mittwoch, 17. Februar 2010

Match Point (2005)

Für mich gehört Woody Allens "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" (1989) zu seinen besten Werken. Mit MATCH POINT hat Allen 2005 die Geschichte um gesellschaftliche Stellung, Schuld und die Unvorhersehbarkeit des Schicksals quasi neu und für ein modernes Publikum aufbereitet, herausgekommen ist ein sensationelles, rabenschwarzes Drama mit unverbrauchten Gesichtern und moralischen Untiefen.

Jonathan Rhys-Meyers spielt in MATCH POINT sehr verführerisch und aalglatt einen zielstrebigen Tennislehrer, der es schafft, in reiche Londoner Kreise einzuheiraten, sich aber dummerweise eine Geliebte zulegt, die immer mehr zum Problem für ihn wird. Doch Lüge, Betrug und Verrat sind nicht die einzigen Dinge, zu denen er fähig ist...

Woody Allen entwickelt seine Geschichte langsam und bedächtig, zieht den Zuschauer hinein in diese schillernde, aber gefühlsmäßig tote Welt der britischen Upperclass und zeichnet seine Figuren mit psychologischer Präzision. Er verweigert sich vollständig (wie immer) jedem aktuellen Trend, umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass MATCH POINT auch finanziell sein erfolgreichster Film seit 20 Jahren war. Offenbar ist das Publikum zu mehr bereit als ihm gemeinhin unterstellt wird.

Sogar ein Vergleich mit Hitchcock scheint hier angebracht, denn das Spiel mit Identifikationsfiguren gelingt Allen ähnlich raffiniert wie dem Meister des Thrillers. MATCH POINT ist mit seinen zwei Stunden Länge zu keiner Sekunde langweilig und hält mühelos mehrfachem Sehen stand, weil er in den Details stimmt und die Darsteller immer wieder begeistern können. Für mich zeigt Scarlett Johansson in MATCH POINT ihrer bislang beste Leistung. Sie ist gleichzeitig verführerisch sexy wie neurotisch, verbittert und bedürftig.

Ebenso wie "Verbrechen..." handelt MATCH POINT von Menschen, denen alles wichtig ist, nur Gefühle - geschweige denn Liebe - nicht. Geld, Macht, Sex und gesellschaftliche Stellung bedeuten alles. Dieser Zynismus mag manche Zuschauer abschrecken, doch ist Allens klare Analyse einer modernen Gesellschaft wahrhaftiger als jede verlogene Romantic Comedy, die ihren Zuschauern den Glauben an ewiges Glück nach vollzogener Trauung verkaufen will. Der von vielen angesprochene, angeblich fehlende Humor lässt sich auch in MATCH POINT finden, er ist nur subtiler und hinterhältiger, etwa wenn Emily Mortimer schon beim Frühstück die Temperatur misst, um dann fröhlich den fruchtbaren Beischlaf zu verlangen ("Das macht Spaß!").

Mit MATCH POINT hat Woody Allen bewiesen, dass er im hohen Alter von 70 Jahren noch schärfer, intelligenter und packender inszenieren kann als viele (bzw. alle) junge Kollegen. Ein klasse Film mit Spannung, Tiefgang und emotionalen Wechselbädern, so muss Kino für mich sein.

09/10

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