Dienstag, 16. Februar 2010

Martha (1974)

"Martha" ist dem Normalzuschauer wahrscheinlich eher unbekannt, dabei handelt es sich hier um einen der besten (wenn nicht DEN besten) Fassbinder-Filme überhaupt.

Die Geschichte einer kranken Horror-Ehe wurde von R.W. Fassbinder mit Lust am Sadismus und dem genauen Blick auf Beziehungen, unter deren biederer Oberfläche Grausamkeit, Wahnsinn und Abhängigkeit brodeln, mit viel Einfallsreichtum (Martha bekommt einen romantischen Heiratsantrag, während sie sich nach einer Achterbahnfahrt übergibt) inszeniert und von Kameramann Michael Ballhaus grandios fotografiert (berühmt ist der 360 Grad-Schwenk bei der ersten Begegnung der Hauptfiguren).

Karlheinz Böhm wurde von Fassbinder quasi neu entdeckt und neu erfunden. Seine Darstellung des langweiligen Spießers, der nur Lust verspürt, wenn er seine Frau unterdrückt oder wie ein Vampir über sie herfällt, ist grandios.
Margit Carstensen liefert eine ganz eigene, skurrile, sogar ausgesprochen witzige Darstellung ab, die unvergesslich bleibt.

10/10

Der Biedermann als Sadomaso-Vampir

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