Sonntag, 14. Februar 2010

Marokko (1930)

MAROKKO ist mehr als ein Film, er ist ein Erlebnis. Mit ihrer ersten amerikanischen Zusammenarbeit nach dem "Blauen Engel" haben Regisseur Josef von Sternberg und sein Star Marlene Dietrich 1930 einen Riesenhit und ewigen Klassiker geschaffen, dessen schwüle, aufgeladene Atmosphäre heute noch staunen lässt, erzählt in betörenden Schwarzweißbildern.

Die Story: Fremdenlegionär Gary Cooper verliebt sich in die Nachtclubsängerin Dietrich, die für ihn einen großzügigen Verehrer (Adolphe Menjou) ablehnt. Da Cooper aber noch ein Verhältnis mit der Frau eines Vorgesetzten pflegt, muss er bald für seine Sünden bezahlen, und Marlene ebenso...

In ihrer ersten großen Szene singt Marlene im Nachtclub "What Am I Bid For My Apple?". Sie trägt Männer-Frack, verteilt Rosen und Äpfel und küsst spontan eine Zuhörerin. Als EVa im Paradies reicht sie Cooper einen Apfel, in den er lüstern hineinbeißt. Später zeigt sie ihre berühmten Beine, während Gary Cooper einen Fächer gegen die Hitze schwingt. Ihr Kuss setzt die Leinwand (bzw. den Bildschirm) in Flammen. Josef von Sternbergs Regie ist mehr als suggestiv, sie ist geradezu himmlisch unverfroren. Marlene spielt in MAROKKO weniger die mysteriöse Femme Fatale als die leidende Liebende, die alles aufgibt, um dem Mann ganz zu gehören. Und keiner kann ihr das verübeln. Coopers attraktiver Charme in Verbindung mit Dietrichs lasziver Körpersprache und cooler Lässigkeit ergibt die perfekte Kino-Erotik, die auch noch so viel nackte Haut nicht überbieten kann.

Beide Figuren bewahren ihre Geheimnisse und sind unabhängig. Ihre Liebe resultiert aus nur einer einzigen, wunderbaren Nacht miteinander, bei der wir nicht Zeuge sein dürfen. Beide kennen das Leben und haben ihre Vergangenheit hinter sich gelassen. Er wirft ihr nie vor, sich von Menjou umgarnen zu lassen, sie akzeptiert mit einem Lächeln, dass er neben ihr noch andere Liebschaften pflegt, weil sie weiß, dass sie bedeutungslos sind. Das sind Filmfiguren, die sich tatsächlich wie erwachsene Menschen verhalten. "Es gibt auch eine Fremdenlegion für Frauen", sagt Marlene, "nur bekommen wir keine Medaillen und Abzeichen für unsere Verwundungen". Großartige Dialoge, die es heute nicht mehr gibt. "Lieben Sie ihn?", fragt Menjou die Dietrich. "Ich weiß nicht", erwidert sie, "ich hoffe nicht." Keiner der drei Charaktere verliert sein Gesicht, obwohl alle aus Liebe handeln.

Josef von Sternberg huldigt die Selbstaufgabe als den ultimativen Liebesakt. Das Ende des Films ist so unglaublich, dass man es gesehen haben muss, um es zu glauben. Es hat ganze Generationen inspiriert. MAROKKO ist eine Liebeserklärung an das Kino, an die unzerstörbare und zerstörerische Kraft von Liebe und Sex, und an Marlene Dietrich. Wundervoll!

09/10

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