Mittwoch, 17. Februar 2010

Marlene (1984)

Dies ist die vielleicht beste Schauspieler- Dokumentation aller Zeiten, Maximilian Schells MARLENE aus dem Jahr 1984 über die Künstlerin, Zeitzeugin und insbesondere den Menschen Marlene Dietrich.
Die (ca.) 83-jährige Filmlegende stimmte zunächst zu, sich in ihrer Pariser Wohnung filmen zu lassen, verweigerte kurz vor Drehbeginn aber diese Zustimmung wieder ("Ich bin zu Tode fotografiert worden", lautet dazu ihr berühmter Ausspruch) und ist nur noch hörbar. Maximilian Schell, der mit Marlene 1961 im "Urteil von Nürnberg" zusammen spielte ("You were so wonderful in this..."), ließ ihr Apartment im Studio nachbauen und präsentiert sein Porträt als Mischung aus Studioaufnahmen, Filmausschnitten und Szenen aus dem Schneideraum, in denen er die verschiedenen Ebenen montiert, begleitet von den Erinnerungen der Dietrich, die sich so schwer greifbar und doch immer wahrhaftig gibt.

Ihre konstante Weigerung, irgendetwas von sich preis zu geben, führt verblüffenderweise dazu, dass man nirgendwo so viel über sie erfährt wie in MARLENE. Das liegt sowohl an Schells sensibler, behutsamer, gleichzeitig kluger und energischer Interview-Führung, aber natürlich in erster Linie an Marlene selbst. Sie gibt sich sperrig, zornig, sentimental, stur, liebevoll, sie widerspricht oft und will oder kann sich an viele Dinge nicht erinnern (so beharrt sie darauf, Einzelkind zu sein und keine größere Stummfilm-Rolle gespielt zu haben), erstmals spricht sie auch über ihr Verhältnis zu Deutschland.

Sie präsentiert so viele Facetten ihrer Persönlichkeit, dass ihr Mythos von Schells Dokumentation nicht erhellt, sondern bis in alle Zeiten zementiert wird. Lobhudeleien oder romantische Verklärung gibt es in MARLENE nicht, auch kein chronologisches Abhaken der Biografie. Maximilian Schell ist viel mehr gelungen als ein Künstlerporträt - MARLENE ist ein Puzzle, ein großer, künstlerischer, vielschichtiger Film über eine faszinierende, unergründliche Persönlichkeit. Er ist aber auch ein Film über den Sinn und Unsinn von Biografien. Gegen Ende erlebt der Zuschauer ein wahres Bilder-Gewitter aus unzähligen Aufnahmen und Tönen - wie kann man ein Leben, eine Persönlichkeit in 90 Minuten erfassen? Unmöglich. Zu Recht hat MARLENE zahlreiche Filmpreise abgeräumt. Ein Film, den man immer wieder schauen kann und der (von mir aus) noch Stunden länger dauern könnte.

Durch seine Originalität und Einzigartigkeit bleibt er nachhaltig im Gedächtnis. Wunderbar!

10/10

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