Dienstag, 16. Februar 2010

Macbeth (1971)

Man muss einfach wissen, in welcher Situation sich Roman Polanski befand, als er Macbeth inszenierte, diesen Alptraum aus Blut und Wahnsinn. Dies ist der erste Film, den er nach der bestialischen Ermordung seiner schwangeren Ehefrau Sharon Tate durch den Charles-Manson-Clan in Angriff nahm, und er spiegelt Polanskis Seelenzustand auf morbide Art perfekt wieder. Nie wieder war Polanski so besessen von Gewaltdarstellungen und einer Düsternis, die schwärzer kaum vorstellbar ist, und natürlich ist Shakespeares Tragödie um die Gier nach Macht, Besessenheit und Massenmord die ideale Grundlage dafür.

Dass "Macbeth" auch ohne dieses Wissen eine cineastische Meisterleistung ist, bleibt unbestritten. Selten hat man eine so kraftvolle, künstlerische Film-Inszenierung von Shakespeares Werk gesehen (man vergleiche den Film z.B. mit den weichgespülten Zeffirelli-Werken). Die Besetzung agiert auf höchstem Niveau, die ungewöhnliche und zunächst gewöhnungsbedürftige Musik sorgt für atmosphärische, beunruhigende Untermalung, aber letztlich ist es auch die unglaubliche Brutalität des Films (die FSK-16-Einstufung düfte der Film wohl allein der Tatsache verdanken, dass hier Shaespeare Pate stand), die seine Faszination ausmacht. Kein Film für heitere Video-Abende, das ist wohl sicher.

08/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...