Mittwoch, 17. Februar 2010

Little Children (2006)

LITTLE CHILDREN gehört für mich zu den besten Filmen der letzten Jahre und wurde vollkommen unverdient im Kino übersehen (kein Wunder bei der geringen Kopienanzahl - eine Schande!).

Regisseur Todd Field erzählt hier wie schon in seinem Erstling "In the Bedroom" sehr leise und subtil, aber mit ständig wachsender Spannung von einer Gruppe von Menschen, deren Hilflosigkeit im Umgang mit Lebenssituationen zur Tragödie führt.

Hier ist es ein typisch amerikanischer Vorort. LITTLE CHILDREN, nach dem Roman von Tom Perrotta (ebenfalls empfehlenswert), wurde vielfach mit "American Beauty" verglichen, und tatsächlich hat er neben dem ähnlichen Soundtrack von Thomas Newman und dem gleichen Setting auch ein ähnliches Thema - das Problem von Menschen, die sich mit ihrem Leben nicht abfinden können oder wollen, aber unfähig sind, aus ihren eigenen Gefängnissen auszubrechen. Im Gegensatz zu "American Beauty" sind Komik und Satire hier aber wesentlich subtiler und bedrohlicher gehalten. Man ahnt schnell, dass die Geschichte vielleicht nicht gut ausgehen wird, aber man kann dennoch nicht wegschauen und wird dann heftigst überrascht, welche Wendung der Film gegen Ende nimmt.

Die Darsteller sind allesamt ausgezeichnet. Kate Winslet beweist wieder einmal, dass sie zu den besten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört, und sie wird mit einer komplexen Rolle belohnt. Allein ihr erster Auftritt auf dem Spielplatz und das Kennelernen mit Wilson dürfte jede TV-Redaktion in Ohnmacht versetzen. Patrick Wilson ist ihr absolut ebenbürtig. In einer wichtigen Nebenrolle wird Jennifer Connelly zwar etwas verschenkt, dafür bekommt sie aber den vielleicht besten Moment im Film, wenn sie erkennt, dass ihr Mann und die nette Nachbarin eine Affäre haben. Jackie Earle Haley hat den schwierigsten Part als Kinderschänder, doch er gestaltet ihn unvergesslich. Seine Szenen gehen tief unter die Haut, und der Film gibt dem Zuschauer lange keine Hilfe, wie man ihn empfinden soll.

Regisseur Field benutzt einen Voice-Over (gesprochen von Will Lyman), der Passagen des Romans zitiert, während sich die Handlung abspielt. Obwohl ich im allgemeinen kein Fan von Voice-Overn bin, hat mich dieses Stilmittel hier aber überzeugt, weil es dem Film eine zusätzliche Dimension verleiht.

Der Titel LITTLE CHILDREN bezieht sich auf die Generation der End-Dreißiger, die sich wie Kinder aufführen, keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen, nicht über Konsequenzen ihrer Handlungen nachdenken. Winslets Filmtochter bleibt am Ende vor einer Straßenlaterne stehen und beobachtet fasziniert die Insekten, die um sie schwirren - Patrick Wilson will eigentlich gerade den Vorort für immer verlassen, aber er schaut doch lieber den Skateboardern zu, die ihn an seine eigene Jugend erinnern.
Erwachsene und Kinder lassen sich jederzeit von den wichtigen Dingen des Lebens ablenken.

09/10

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