Dienstag, 16. Februar 2010

Liebe am Nachmittag (1956)

Von allen Filmen Billy Wilders ist LIEBE AM NACHMITTAG (Love in the Afternoon) wahrscheinlich die größte Verbeugung vor seinem Vorbild und Weggefährten Ernst Lubitsch. Weniger brüllend komisch als Wilders beste Komödien, sondern vielmehr romantisch verklärt, wird hier die Geschichte der jungen Pariserin Ariane (Audrey Hepburn), Tochter eines Privatdetektivs (Maurice Chevalier), erzählt, die sich ausgerechnet in einen alternden Playboy (Gary Cooper) verliebt und diesem vorspielt, in der Liebe weit erfahrener zu sein als sie wirklich ist.

Gary Cooper war der Ersatz für Wunschkandidat Cary Grant, und der Altersunterschied zwischen ihm und der jugendlich-frischen und wie immer bezaubernden Audrey Hepburn sorgte seinerzeit für reichlich negative Kritik. Warum sich ein so naives Ding wie Ariane ausgerechnet in einen heruntergekommenen Lebemann verliebt, ist dabei nicht schwer zu verstehen. Er ist immerhin Gary Cooper, ein Mann mit Vergangenheit, der Gegenentwurf zu ihrer behüteten Jugend. Sie hingegen verkörpert alles, was die Zukunft verspricht, wonach man sich sehnt. In Paris, der ewigen Stadt der Liebe, in der auch Lubitschs "Ninotschka" (1939) spielte, ist sowieso alles möglich. Ein Augenaufschlag, ein Lächeln und ein Fußkettchen genügen, bis sich der Playboy bewusst wird, dass er verliebt ist. Als er die Eifersucht (wieder-)entdeckt, gerät er aus der Fassung.

Das alles wird von Billy Wilder mit viel Geschmack und Stil inszeniert, ist wunderschön fotografiert (wobei der alternde Cooper, mit dessen Gesundheit es nicht zum Besten stand, von Nahaufnahmen verschont bleibt und sich meistens im Halbdunkel aufhält), tritt leider aber auch mehrfach auf der Stelle. Es wird zu viel geredet, viele Witze zünden nicht, während andere zu Tode geritten werden. Das Lied "Fascination" etwa ist wichtig für die Handlung, wird aber bis zum letzten Akt so oft gespielt, dass es einem bald zum Hals raushängt. Die Komik um eine ungarische "Zigeunergruppe", die stets Coopers Liebesabenteuer begleitet und sogar in Ausflugsbooten, in der Sauna und am Bahnhof fröhlich fidelt, ist nur mäßig komisch. Dazu braucht die Exposition zu lange (ein Problem vieler Wilder-Filme), und Nebenfiguren (wie ein eifersüchtiger Ehemann) werden überreizt. Das Happy-End wirkt erzwungen und hat einen merkwürdigen Beigeschmack. Will man wirklich, dass die reizende Hepburn mit dem klapprigen Playboy in den Sonnenuntergang reist? Und glauben wir wirklich, dass der behütende Vater ihnen ein Lächeln hinterherschickt? Irgendwie möchte man doch lieber die Polizei rufen.

LIEBE AM NACHMITTAG war ein Flop bei Kritikern und beim Publikum. Die Zuschauer konnte sich mit dieser Romanze nicht anfreunden, und man kann heute noch verstehen, warum. Obwohl der Film den Altersunterschied seiner Protagonisten ernst nimmt und ihn nicht - wie unzählige andere Werke Hollywoods (Hallo, Woody Allen) - einfach ignoriert, wünscht man sich doch, dass der Flirt zwischen den beiden ein solcher bleibt und Cooper als vielleicht geläuterter Aufreißer in die USA zurückkehrt, während Hepburn ihre Lektion über die Liebe gelernt hat und sich nach besserem Ehematerial umsieht. Die hastig vor dem Ende eingefügte Nachricht, dass die beiden auch noch geheiratet haben und glücklich in New York leben, soll den Film natürlich moralisch absichern, allein die Vorstellung ist keine schöne... das wäre Lubitsch dann doch nicht passiert.

06/10

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