Mittwoch, 17. Februar 2010

L'Enfant (2005)

"L'Enfant" hat 2005 die Goldene Palme in Cannes erhalten, und das vollkommen zu Recht. Er ist ein großartiges Beispiel für die Kunst des europäischen Kinos, auch die bittersten und kritischsten Geschichten ohne Rücksicht auf Identifikationsverlangen des Publikums kompromisslos und dennoch ungeheuer unterhaltsam zu inszenieren.
Die Geschichte: der junge Bruno ist ein desilluisonierter kleiner Dieb und Dealer. Als ihm seine Freundin den neugeborenen, gemeinsamen Sohn präsentiert, kann er keine Vaterliebe empfinden, sondern sieht nur eine neue Chance aufs Geld. Er verkauft das Kind an eine Kinderhändlerbande...

"L'Enfant" ist ein kleiner Film, der durchgehend mit Handkamera gedreht wurde, um immer nah an den Figuren und ihren Schicksalen zu bleiben. Er verzichtet vollkommen auf Filmmusik, die Darsteller und ihre Dialoge sind bis zur Schmerzgrenze realistisch. Und doch ist "L'Enfant" nie quälend oder anstrengend. Die Schicksale der Figuren berühren und bewegen, dennoch ist der Film nie sentimental. Man kann Bruno (ausgezeichnet dargestellt von Jeremy Reigner, der bereits in Francois Ozons "Les Amants Criminels" jenseits des Gesetzes wandelte) für das, was er tut, ablehnen, aber man fühlt trotzdem für ihn, weil er bittere Gründe für sein Handeln hat. Und für diese Gründe sind wir alle verantwortlich. Wenn der Film überhaupt ein moralisches Urteil fällt, dann über uns alle. Die Welt ohne Mitleid haben wir selbst erschaffen, die Protagonisten versuchen lediglich, sich darin zurecht zu finden.

Die belgischen Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne richten die Kamera darauf und entdecken die Menschlichkeit - und haben damit ein bewegendes Kinowerk geschaffen. Sehr empfehlenswert!

08/10

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