Mittwoch, 17. Februar 2010

Lautlos im Weltraum (1972)

Der Sci-Fi-Klassiker LAUTLOS IM WELTRAUM (Silent Running) wurde 1972 von Douglas Trumbull inszeniert, der für die Spezialeffekte in der größten Weltraum-Oper aller Zeiten, Kubricks "2001", verantwortlich war. Dementsprechend glaubwürdig sind Ausstattung, Optik und Effekte auch hier gelungen, wobei die Technik nicht im Vordergrund steht. LAUTLOS IM WELTRAUM erzählt eine zutiefst berührende Geschichte - Bruce Dern spielt den Botaniker Freeman Lowell, der mit drei Astronauten im Raumschiff "Valley Forge" durchs All unterwegs ist. In ihrer Begleitung befinden sich drei kleine Roboter und ein eigenes Paradies, ein Garten Eden aus Wäldern, Wiesen, Pflanzen und Tieren, die auf der Erde aufgrund von Überbevölkerung und Ausrottung nicht mehr existieren und in den aufwendigen Raumkapseln der Nachwelt erhalten bleiben sollen. Als aber das Projekt gestoppt wird und der Befehl kommt, die Umwelt-Kapseln zu sprengen, um das Schiff wirtschaftlicher zu nutzen, wird Lowell zu einer Verzweiflungstat gezwungen...

In Zeiten von Klimakatastrophe und Erderwärmung wirkt LAUTLOS IM WELTRAUM trotz seines absoluten 70er Feelings plötzlich wieder erschreckend aktuell und zeitlos. Der sympathische Freeman Lowell - Stellvertreter einer Flower Power-Generation - hat sich ganz der Flora und Fauna verschrieben und wird für dessen Bewahrung schließlich zum Mörder und Märtyrer. Seine freundlichen Roboter, die als Hilfsbotaniker einen rührenden Anblick bieten, weisen dabei mehr menschliche Züge auf als die tatsächlich menschlichen Gefährten, welche sich die Langeweile an Bord mit albernen Kriegsspielen vertreiben und es kaum erwarten können, das nutzlose Grün ins All zu schießen und zur Erde zurückzukehren. Sie haben längst allen Sinn fürs Ursprüngliche verloren und mögen nicht einmal mehr den Geschmack von natürlich gereiftem Obst und Gemüse, ziehen Synthetik vor (geht es noch aktueller?). Die "Valley Forge" ist dabei unverkennbar eine moderne Arche Noah.

Kritiker haben dem Film eine verdrehte Ethik vorgeworfen, in der die Bewahrung der Natur über das menschliche Leben gestellt wird. Dazu kann ich nur sagen - was gibt es daran zu kritisieren? Ich schließe mich der Ethik des Films jedenfalls voll und ganz an. LAUTLOS IM WELTALL hat eine ganz simple Botschaft, die trotz ihrer bewussten Naivität ergreift und am Ende unendlich zu Tränen rührt. Lediglich der Joan Baez-Song, der das Geschehen zu Beginn und Ende untermalt, ist mir in seiner Sentimentalität etwas 'too much', aber da der Film so sehr Spiegel seiner Zeit ist, geht das in Ordnung. Der Film ist kein aufregender Sci-Fi-Thriller, sondern ein melancholisches Märchen über das Wunder der Natur, einen einsamen Bewahrer und eine grausame Zivilisation, die sich durch die grenzenlose Ausbeutung ihres Lebensraums letztendlich selbst zerstört. Großes, nachdenklich stimmendes Kino.

08/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    SILENT RUNNING ist ein Film den viele mögen, weil er für die natürlichen Resourcen der Menschheit in der Zukunft kämpft. Aber wie schon 2001 und sein Nachfolger 2010 zeigen, waren die Leute damals einfach zu zukunftsgläubig. Ich selbst habe vor 40 Jahren davon geträumt, im Jahre 2010 lautlos durch das Weltall oder zumindestens über die Erde schweben zu können. Inzwischen bleibe ich lieber mit beiden Beinen auf der Erde.

    Der Film kommt mit relativ geringem Budget aus und entwickelt als erstes Werk Hollywoods den 'grünen Gedanken'. Leider verliert die Story nach mehrmaligem Ansehen ihre Linie und der Film driftet m.E. zu sehr ins Naiv-Süssliche ab. Im Gegensatz zu Dir (und der Sängerin selbst) mag ich die beiden Songs von Joan Baez sehr. Meine romantische Ader schlägt halt mehr für die Musik. Im Film mag ichs lieber etwas handfest !

    Gruss

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  2. Echt, die mochte ihre eigenen Songs nicht? Das wusste ich nicht.

    Was die Naivität angeht, geht es mir normalerweise so wie Dir, aber dieser Film rührt mich doch immer wieder. LG, Mathias

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  3. Hallo Mathias,

    ja, das mit Joan Baez geht aus den Boni der US-DVD hervor. Sie mochte die beiden von Peter Schickele für sie geschriebenen Titel eigentlich nicht. Aber ein echter Profi meckert und kleckert nicht viel rum, sondern haut rein. Merke : Wer die Musik bezahlt, darf sie auch bestellen !

    Gruss Ralf

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