Samstag, 13. Februar 2010

Lady in a Cage (1964)

LADY IN A CAGE aus dem Jahr 1964, der nie bei uns gelaufen ist, stammt aus der Zeit nach dem Sensationserfolg "Was geschah wirklich mit Baby Jane?", als die großen alten Damen des Films für preiswert gemachte Horrorfilme axtschwingend und mordend auf die Leinwand zurückkehrten. Es war nur eine kurze Welle, welche aber den Karrieren großer Stars wie Bette Davis, Joan Crawford oder Tallulah Bankhead neuen Schwung brachte.

Hier spielt die großartige Olivia de Havilland eine reiche ältere Dame namens Cornelia Hilyard, die eine etwas ungesunde Beziehung zu ihrem erwachsenen Sohn pflegt und an einem heißen Sommertag wegen eines plötzlichen Stromausfalls in ihrem Hausfahrstuhl steckenbleibt. Während sie hilflos in der Eingangshalle herumhängt, kommen allerlei "Besucher" ins Haus, darunter Einbrecher, Alkoholiker, aber auch eine Bande von kriminellen Psychopathen, angeführt von James Caan in seinem Leinwanddebüt, und die bedrohliche Situation für Mrs. Hilyard wird bald zum absoluten Psycho-Terror...

Das klingt absurd, aber nicht unspannend, und so ist auch der Film. Zwar ist das Spektakel um die eingeschlossene de Havilland keine Minute glaubwürdig, aber Regisseur Walter Grauman hält die Handlung durch ständige Aktion abwechslungsreich. Zudem scheint er ein klares Statement über die Gesellschaft der frühen 60er abgeben zu wollen. Bereits während des Vorspanns, der in bester "Psycho"-Manier gestaltet ist, sehen wir überfahrene Hunde und Kinder, die mit ihren Rollschuhen Obdachlose quälen. Die Hilferufe von de Havilland bleiben allesamt ungehört oder werden ignoriert, ihre Situation wird von jedem, der ins Haus kommt, schamlos ausgenutzt. Mitgefühl oder Empathie existieren nicht in dieser Welt, hier denkt jeder nur an sich und seinen eigenen Vorteil. Was als Drama beginnt, mündet in ein schockierendes, durchaus blutiges Finale, das man schon als geschmacklos bezeichnen kann, aber es steht ganz im Stil des Grand Guignol, dem sich auch ein Wiegenlied für eine Leiche verpflichtet fühlt.

Olivia de Havilland liefert natürlich eine Spitzendarstellung als hilfloses Opfer, die erste Hälfte des Films gehört ihr komplett alleine. Ihre klaustrophobische Situation überträgt sich mühelos auf den Zuschauer, man schwitzt und leidet mit ihr. Ganz un-Divenhaft lässt sie sich auch äußerst unvorteilhaft fotografieren. Die Auftritte der Nebenfiguren und das "Öffnen" des Films zerstören leider die sorgsam aufgebaute Spannung, zumal Regisseur Grauman keinen der Darsteller unter Kontrolle hat und die meisten von ihnen entsetzlich übertreiben. Ganz besonders James Caan, den ich ansonsten sehr schätze, liefert eine unfreiwillig komische Brando-Parodie ab (inklusive unverständlichem Gemurmel und Geschmatze). Die "bösen" Eindringlinge sind allesamt so überzeichnet, dass sie eher nerven als dass man Angst vor ihnen bekommt, sie ziehen den Film auf ein Trash-Niveau herab, das der Film hätte vermeiden können. Nicht zuletzt Graumans Weigerung, auch nur eine sympathische Figur einzubauen, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

Für Fans von S/W-Thrillern der 60er und der großartigen Olivia de Havilland ist LADY IN A CAGE absolut sehenswert, darüber hinaus ist er stark geschmacksabhängig. Ein merkwürdiger Film, ohne Zweifel.

06/10

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