Dienstag, 16. Februar 2010

Kramer gegen Kramer (1979)

Man sollte "Kramer gegen Kramer" nicht vorwerfen, ein verlogenes Familienrührstück zu sein. Natürlich handelt der Film von absoluten Gutmenschen, die sich im Kampf um das Sorgerecht kaum wirklich verletzen und alle sehr ehrbare Motive für ihr Handeln haben.
Aber um eine wirklich realistische Schilderung einer Scheidungs-Schlammschlacht geht es Regisseur Benton auch gar nicht, und ganz ehrlich - wer will das sehen? Das ist höchstens als schwarze Komödie á la "Rosenkrieg" akzeptabel. "Kramer gegen Kramer" will durchaus trösten und Hoffnung machen, was ein nachvollziehbarer Anspruch ist. Er zeigt sehr deutlich, wer unter einem Scheidungsdrama zu leiden hat - nicht nur die Kinder, sondern alle! Das ist schon mal mehr, als andere Filme zum selben Thema geleistet haben.

Was das Drama aber vor allem anderen sehenswert und immer noch modern macht, sind die absolut überzeugenden Darstellerleistungen. Meryl Streep ist praktisch nur für 15 Minuten im Film, aber ihr Eindruck als Mrs. Kramer bleibt unvergesslich. Dustin Hoffman, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten selbst unter seiner Scheidung litt (und die Rolle zunächst nicht annehmen wollte), geht vollends in seiner Rolle auf und schreckt auch vor unsympathischen Charakterzügen des alleingelassenen Vaters nicht zurück (wenn auch in natürlich abgeschwächtem Maße, der Zuschauer soll ihn immerhin als Identifikationsfigur behalten dürfen). Seinen Oscar hat er vollkommen zu Recht erhalten, ebenso wie Streep und Regisseur Benton.
Die große Auseinandersetzung von Streep und Hoffman in einem Lokal (Hoffman schleudert am Ende sein Glas gegen die Wand, ein improvisierter Augenblick, der Streep völlig überraschend trifft) gehört zum Besten, was Hollywood darstellerisch im Mainstream zu bieten hat. In einer Nebenrolle glänzt die unterschätzte und heute fast unbekannte Jane Alexander.

09/10

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