Mittwoch, 17. Februar 2010

Kika (1992)

KIKA aus dem Jahr 1993 war der erste Film des spanischen Meisters Pedro Almodóvar, der vom Publikum und Kritik alles andere als positiv aufgenommen wurde. Heutzutage ist klar, warum, denn er ist von Anfang bis Ende dermaßen politisch unkorrekt, böse und roh, dass er erst beim zweiten und dritten Sehen wirklich Spaß macht.

KIKA erzählt von einer lebenslustigen Maskenbildnerin (Verónica Forqué) , die mit Vater und Sohn (Peter Coyote und Álex Casanovas) gleichzeitig schläft, wobei der Vater ein psychopathischer Mörder und der Sohn ein ebenso kranker Voyeur ist. Dann gibt es noch einen aus dem Gefängnis ausgebrochenen, debilen Pornostar und Serienvergewaltiger, eine lesbische Haushälterin (die wunderbare Rossy de Palma) und eine blutbeschmierte Reality-TV-Moderatorin (Victoria Abril), eingekleidet von Jean Paul Gaultier. In ihrer Sendung wird über die täglichen Grausamkeiten berichtet, und sie selbst ist sich nicht zu schade, die Betroffenen direkt nach Schusswechseln und Blutbädern zu belästigen und wird ziemlich ungehalten, wenn man ihre Fragen nicht beantwortet ("Dass Sie vergewaltigt wurden, entschuldigt nicht Ihr schlechtes Benehmen gegenüber der Presse!").

Der "Höhepunkt" des Films, der die meisten wütenden Reaktionen verursachte, ist die Vergewaltigung von Kika durch besagten Pornostar. Diese Szene ist so grotesk überzeichnet ("Würdest du dich bitte beeilen, ich kann hier nicht den ganzen Tag rumliegen!", ruft sie ihm dabei zu), dass man sich unweigerlich schämt, dabei zuzusehen und sich zu amüsieren. Almodóvar will hier nicht etwa zeigen, dass eine Vergewaltigung lustig sein kann, sondern er verdeutlicht die Stärke seiner Hauptfigur, welche die Belästigung durch das Fernsehen als schlimmere Schande empfindet als die brutale Tat. "Jeden Tag finden Vergewaltigungen statt, und heute hat es eben mich erwischt!", sagt sie zu ihrem Freund und steht damit in der Filmgeschichte wohl einzigartig da. Frauen, die so viel erdulden und trotzdem nicht an ihrem Schicksal zerbrechen, waren schon immer die starken Figuren in Almodóvars Filmen.

Das ist subversives Kino vom Allerfeinsten. Dazu streut Almodóvar Zitate von "Peeping Tom" bis Hitchcocks "Psycho" ein. Wer ein Faible für Satiren hat, für den ist KIKA eine reine Freude. Alle anderen seien gewarnt - KIKA ist ein böser, böser Film. Einer meiner Lieblings-Almodóvars.

9.5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...