Mittwoch, 17. Februar 2010

Jenseits der Unschuld (1993)

Als "Miami Vice"-Ermittler absoluter Kult, waren Don Johnsons Ausflüge in Kino-Hauptrollen selten von Erfolg gekrönt, oft genug wurde er als langweiliger Schönling abgetan. Dass er aber viel mehr Talent hat, beweist er sowohl in Dennis Hoppers "The Hot Spot" als auch in JENSEITS DER UNSCHULD (Guilty as Sin) aus dem Jahr 1993, zumal er hier unter der Regie eines der besten Schauspieler-Regisseure aller Zeiten - Sidney Lumet - agiert.

Johnson spielt in JENSEITS DER UNSCHULD den aalglatten Womanizer David Greenhill, der seine Gattin per Fensterschubs ins Jenseits befördert haben soll. Die junge Karrieristin Jennifer Haines (Rebecca De Mornay) übernimmt seine Verteidigung, und damit beginnt das Unheil. Nicht nur erweist sich der charmante Witwer als kompletter Psychopath, er bedroht auch bald seine Anwältin, die nun alles daran setzen muss, seine Schuld zu beweisen, während sie ihn offiziell verteidigt....

Hier liegt die spannende Ausgangssituation des Gerichts-Thrillers. Zwischen Angeklagtem und Verteidigerin entbrennt ein Katz- und Mausspiel, das ebenso raffiniert wie tückisch durchgespielt wird, und dessen Ausgang man als Zuschauer kaum ahnen kann. Sidney Lumet, der seine Meisterschaft im Umgang mit Justizfilmen bewiesen hat (von ihm stammen "Die zwölf Geschworenen" und "The Verdict"), inszeniert das Duell mit subtiler, schleichender Spannung und leisen Tönen. Und tatsächlich spielt Don Johnson seinen skrupellosen Mörder, für den die Frauen reihenweise ihre Pelze ablegen, brillant.

An seiner Seite glänzt die kühl-erotische Rebbeca De Mornay, die selbst einmal die Filmpsychopathin geben durfte ("Die Hand an der Wiege"), hier aber auch als Opfer ihrer eigenen Eitelkeit überzeugt. Wenn sie Johnson gefälschte Beweise unterschiebt und in seiner Wohnung heimlich Spuren versteckt, fiebert man durchweg mit ihr. Ich empfehle übrigens gern den O-Ton der DVD. Rebecca De Mornays unterkühlte Stimme ist immer ein Genuss. Die düstere Musik von Howard Shore hilft dem Film zusätzlich. Die einzig offene Frage bleibt, warum De Mornays Lover im Film so dermaßen unattraktiv daherkommt, aber das nur am Rande.

JENSEITS DER UNSCHULD ist seinerzeit im Kino gnadenlos untergegangen und fast völlig unbekannt. Es mag der Don Johnson-Fluch gewesen sein, oder die Schwemme an Gerichts-Thrillern à la John Grisham. JENSEITS DER UNSCHULD ist sicher kein Meilenstein des Kinos, aber beste spannende Unterhaltung, hervorragend gespielt und mit Klasse inszeniert.

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...