Samstag, 12. Juni 2010

Je t'aime Moi Non Plus (1976)

Wer kennt es nicht, das fröhlich gestöhnte "Je t'aime", das 1968 zu einem Welthit avancierte und das wahrscheinlich meistgespielte Lied in heimischen Schlafzimmern war.

Der Komponist Serge Gainsbourg versuchte sich 1976 erstmals als Regisseur, um der Welt die Reize seiner Ehefrau Jane Birkin (welche den Song ins Mikro stöhnte) zu präsentieren. An ihrer Seite Warhol-Star und Sex-Ikone Joe Dallesandro, herausgekommen ist ein merkwürdig bizarrer Film mit viel nackter Haut und Analverkehr im Müllwagen, der für einen ordentlichen Skandal sorgte, dessen Qualitäten und Unterhaltungswert aber überschaubar bleiben.

Die Story: der homosexuelle Müllwagenfahrer Dallesandro verliebt sich in einer einsamen Raststätte irgendwo in der Einöde in die androgyne Birkin. Schnell landen sie im Bett, wo es allerdings Probleme gibt, da Joe immer noch schwul ist, zudem kann Joes Kollege Padovan die intime Beziehung der beiden nicht länger mitansehen...

"Die Liebe hat 'nen rosa Schwanz und ist blind!"
Mit solchen und ähnlichen Dialogen wird der Zuschauer konfrontiert, während er verzweifelt versucht, einen Sinn in dem freizügigen Allerlei zu finden. Die Inszenierung von Gainsbourg ist langatmig, er besitzt aber ein Auge für ausgefallene Kamerapositionen, gutes Licht und ungewöhnliche Locations. Viel gesprochen wird nicht, was gut ist, da die deutsche Synchronisation einfach schrecklich nervt (Dallesandros erster Filmsatz, nachdem er von seinem Kollegen beim Pinkeln beobachtet wurde: "Du törnst dich an, aber bei mir läuft nichts!"). Birkin und Dallesandro bewegen sich angenehm unverklemmt durch den Film und sind hübsch anzuschauen, ein Skandal ist aber nirgendwo zu entdecken, es sei denn, man stößt sich an Gainsbourgs bizarrer Vorliebe für die Darstellung nackter Hinterteile, weswegen der Film Po-Fetischisten interessieren dürfte. Einige erotische Szenen sind unfreiwillig komisch, etwa wenn Birkin einen triefenden Spargel verzehrt und "so gar nicht merkt", was Dallesandro dabei für Assoziationen hat. Schauspielerisch kann in JE T'AIME MOI NON PLUS niemand wirklich überzeugen. Gelegentlich reitet Gerard Depardieu in einer Gastrolle vorbei und leckt seinem Pferd am Ohr... muss man nicht verstehen.
So stellt sich am Ende die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht wurde. Für Kunstkino fehlen ihm die Ideen oder ein übergeordneter Gedanke, für ein Erotik-Drama sind die Charaktere zu uninteressant und die Inszenierung zu zäh. Ein Film, den im Grunde niemand braucht, und den ich sicher kein zweites Mal sehen werde, weil ich schon beim ersten Mal Mühe hatte, den Zeigefinger von der Schnellvorlauf-Taste auf der Fernbedienung fern zu halten.

Die DVD von Arthaus präsentiert JE T'AIME in guter Bildqualität (16:9), Sprachen sind Deutsch und Französisch Mono, deutsche Untertitel sind vorhanden, als Extra gibt es einige Trailer und eine Fotogalerie.

04/10

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