Dienstag, 16. Februar 2010

Jade (1995)

Regisseur William Friedkin hat in den 70ern mehrere Meisterwerke gedreht, in den 80ern noch einige gute, aber zumeist erfolglose Filme, seine Werke der 90er sind weitgehend indiskutabel. JADE von 1995 war der Versuch eines Erotik-Thrillers im Stil von Basic Instinct, Drehbuchautor Joe Eszterhas erhielt eine bis dato unerreichte Gage (zwischen zwei und vier Millionen Dollar im Voraus!) und lieferte ein spannungsarmes und zu gewollt anrüchiges Szenario, das bei Publikum und Kritikern komplett durchfiel und beinahe sämtliche Karrieren der Beteiligten begrub. Bei näherer Betrachtung scheint die völlige Missachtung im Rückblick aber etwas ungerecht.

Die Story: Ein brutaler Killer tötet in San Francisco reiche Männer der Gesellschaft, die alle Kunden bei einer Edelprostituierten namens Jade waren. Detective Corelli (David Caruso) vermutet bald seine ehemalige Geliebte und jetzige Ehefrau seines besten Freundes (Linda Fiorentino und Chazz Palminteri), die geheimnisvolle Hure zu sein. Oder ist sie gar die Mörderin, die ihre Spuren beseitigen will? ...

Zunächst das Positive: der Look von JADE ist exzellent. Friedkins Kamera schwelgt in opulenten Dekors und schafft durch raffinierte Ausleuchtung immer wieder Brücken zum klassischen Film Noir. Die Darsteller sind durch die Bank hervorragend. Caruso verließ für eine Kino-Karriere die Serie "NYPD Blue" und musste bald erkennen, dass er im Kino kein Zugpferd war, seine Leistung hier ist aber tadellos. An seiner Seite fasziniert Linda Fiorentino, die ultimative Femme Fatale aus Die letzte Verführung, in welchem ihre Rolle allerdings sehr viel ergiebiger war. Joe Eszterhas' Protagonistinnen sind grundsätzlich Männerfantasien - oder schlimmer - Männerphobien (wer das nicht glaubt, sollte sich kurz "Showgirls" ansehen - oder besser nicht), und so ist auch Fiorentinos Trina, die aus lauter Luxus-Langeweile zum Callgirl wird (ja, sicher!) eine völlig unglaubwürdige Kreation. Fiorentinos wunderschöne Stimme allerdings ist mehr als andere Schauspielerinnen zu bieten haben. Auch ihre Karriere wurde durch den Flop arg ins Stottern gebracht. Chazz Palminteri spielt den unsympathischen Chauvi an ihrer Seite etwas zurückhaltender als in dem grauenvollen "Diabolisch". In einer Nebenrolle darf man die berückende Angie Everhart als Callgirl-Kollegin mit lesbischen Tendenzen (natürlich, es ist ein Eszterhas-Buch) bewundern.

William Friedkin inszeniert das mörderische Treiben an prächtigen Schauplätzen, und wenn er eines kann, dann sind es Autoverfolgungsjagden (siehe "French Connection"). So bietet JADE gleich zwei wuchtige Sequenzen - eine sehr knappe, in der Caruso die Kontrolle über seinen Wagen verliert (man hält sich instinktiv an der Couch fest), und eine extrem aufwendige, als Caruso in einen chinesischen Festumzug gerät, während er den Wagen des Killers verfolgt.
Wer wirklich hinter den Morden steckt, lässt sich nicht einfach erraten, und so kann JADE trotz vieler Schwächen in Dialog und Konstruktion zumindest gut unterhalten. Wirklich peinlich ist lediglich eine erotische Szene gegen Ende, die in ihrer Absurdität unfreiwillig komisch wirkt. Klasse hingegen ist der Soundtrack, ein Mix aus James Horners Score, Stravinskys "Sacre du Printemps" und Loreena McKennitts "The Mystic's Dream".

06/10

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