Samstag, 13. Februar 2010

Is' was, Doc? (1972)

Peter Bogdanovich inszenierte 1972 mit IS' WAS, DOC? seine Hommage sowohl an die Slapstick-Stars der Stummfilmzeit als auch die Screwballs der 30er. Deutliche Vorlage für die Handlung dürfte Howard Hawks' "Leoparden küßt man nicht" sein. Hier wie da wird ein verklemmter Intellektueller (Ryan O'Neal) mit spießiger Verlobter (Madeline Kahn) von einem durchgeknallten Freigeist (Barbra Streisand) mittels einer Kette von Missverständnissen und chaotischen Situationen, in die sie ihn bringt, schlussendlich wachgeküsst und zu brauchbarem Ehematerial umfunktioniert.

Die Handlung von IS' WAS, DOC? lässt sich kaum wiedergeben. Sagen wir mal, verschiedene identisch aussehende Reisetaschen, die sich jeweils mit Juwelen, Geheimdokumenten, Unterwäsche und ähnlich brisantem Material gefüllt in ein- und demselben Hotel befinden, sind das Ziel verschiedener Parteien (Diebe, Agenten, etc.). Mittendrin in diesem Getümmel der ständigen Verwechslungen stecken Musikologe O'Neal, der ein Stipendium für seine Forschungen über musikalisches Eruptivgestein erhalten möchte, durch die Bekanntschaft mit der eigenwilligen Streisand aber in eine Katastrophe nach der anderen gerät, darunter brennende Hotelzimmer, Tortenschlachten und eine finale Verfolgungsjagd durch San Francisco per Fahrrad, VW Käfer und chinesischem Drachen (die allein einen Monat Drehzeit benötigte - die Arbeit hat sich gelohnt, die Sequenz ist atemberaubend komisch!).

Die Darsteller agieren in höchster Spiellaune. O'Neal (herrlich steif und doch sexy) und die quirlige Streisand (noch ohne meterlange Fingernägel) werden dabei von einem fantastischen Ensemble aus begnadeten Komikern unterstützt, allen voran Kenneth Mars als O'Neals schmieriger Konkurrent und Madeline Kahn als konservative Verlobte Eunice Burns im Gänseblümchen-Morgenrock, die mitsamt schlimmer Perücke und Handtasche in den Wahnsinn getrieben wird. Zahlreiche Running Gags (O'Neal trägt auf einem Bankett sein Namensschild falsch und wird mit "Sie sind verkehrt herum" angesprochen) und absurder Dialogwitz (Madeline Kahn zum Richter: "Man hat versucht, mich zu belästigen!" - Richter zu Kahn: "Das ist... kaum zu glauben!") sorgen für Dauerlacher.

IS' WAS, DOC? läuft vom ersten Moment an auf Hochtouren, Bogdanovich holt nur einmal kurz Luft nach dem zweiten Akt, um Streisand und O'Neal einen romantischen Moment und dem Zuschauer Streisands Darbietung von "As Time Goes By" zu schenken, dann geht die Höllenjagd noch einmal richtig los. Am Ende wird O'Neals Erfolgsfilm "Love Story" noch durch den Kakao gezogen ("Etwas Dümmeres habe ich noch gehört"), dann ist Schluss mit dem Riesenspaß, der immer wieder gute Laune macht und seinen Slapstick auf höchstem Niveau serviert. Ein Klassiker.

Barbra Streisand übrigens fand das Drehbuch überhaupt nicht witzig und prophezeite einen Mega-Flop. So können Diven irren!

10/10

Kommentare:

  1. Absolut köstlich diese Komödie. Schon zigmal gesehen und ich lache immer wieder lauthals los. Besonders, wenn es darum geht, daß Streisand O'Neal ständig als "Steve" anspricht und "Kahn" immer wieder fragt "warum nennt sie Dich Steve?". Herrlich!

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  2. Ich muss schon bei der Erwähnung des Namens "Eunice Burns" lachen... immer wieder schön!

    LG, Mathias

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