Dienstag, 16. Februar 2010

In den Wind geschrieben (1956)

Douglas Sirk hat wohl die wundervollsten Technicolor-Melodramen Hollywoods gedreht. Zu seinen Meisterwerken gehören "Solange es Menschen gibt", "Was der Himmel erlaubt" und "Die wunderbare Macht". Er ist unschlagbar in der Darstellung großer Gefühle, extremer Seelenqual und unerfüllter Liebe und Sehnsucht, immer dargeboten in exquisiten Bildern, gespielt von den Top-Stars ihrer Zeit.

"In den Wind geschrieben" gehört ganz in diese Tradition. Was in diesem Film gesoffen, geliebt, gelitten und zerstört wird, ist ebenso wahnsinnig wie faszinierend. Unfassbar, dass diese Palette an Dramen nicht unfreiwillig komisch wirkt, das tut sie bei Sirk tatsächlich nie, obwohl er oft die Grenzen von Kunst zu Kitsch weit überschreitet. Es ist der Ernst, mit dem er seine Geschichten erzählt, die Liebe für seine Verlierer-Figuren, seine Leidenschaft für menschliche Stärken und Schwächen. Das Ensemble spielt perfekt (Dorothy Malone erhielt für die Darstellung eines neurotischen, von unerfüllter Liebe zerfressenen Miststücks einen Oscar, und Rock Hudson war selten so gut wie hier), die Dialoge sind geschliffen (der erste Wortwechsel im Film zwischen Bacall und Hudson ist ein Musterbeispiel für erstklassigen Filmdialog), und die Bilder sind brillant (die DVD-Umsetzung ist sehr ansehnlich).

Die Geschichte ist schnell erzählt: verkommener Sohn aus reicher, texanischer Öl-Familie (Stack) heiratet eine Firmenangestellte (Bacall), doch sein bester Freud (Hudson) ist ebenfalls in sie verliebt, während seine Schwester (Malone) hoffnungslos in Hudson verliebt ist und aus Frustration über seine Abfuhren schließlich fast die gesamte Familie und alles um sie herum zerstört...

Dies ist nicht die Wohlfühl-Familie von nebenan, sondern eine von Geld durch und durch verrottete Gesellschaft, in der echte Gefühle keine Überlebenschance haben - oder doch? Douglas Sirk hat hier überraschend doch noch etwas Hoffnung für seine Protagonisten und gestattet ihnen, zu lernen, während er in späteren Filmen überzeugt war, dass Menschen nur in der Lage sind, sich selbst und andere zu zerstören - ein Grund, warum Rainer Werner Fassbinder ein solcher Fan von ihm war. Allein die Sequenz, in der das Familienoberhaupt einem Herzinfarkt auf der Freitreppe erliegt, während seine Tochter zu wilden Rhythmen und in einem knallroten Kleid einen ekstatischen Tanz in ihrem Zimmer aufführt, ist sensationell.

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...