Samstag, 13. Februar 2010

Immer Ärger mit Harry (1955)

Im idyllischen Vermont stört nur eins das harmonische Bild: die Leiche von Harry, die unnütz herumliegt. Da sich mehrere Personen für Harrys Ableben aus den verschiedensten Gründen verantwortlich fühlen, wird er nun mehrfach vergraben, wieder ausgebuddelt und erneut vergraben. Doch wie ist er denn nun wirklich ums Leben gekommen?

Mit IMMER ÄRGER MIT HARRY von 1955 wollte Alfred Hitchcock beweisen, dass auch die Amerikaner (und der Rest der Welt) über gepflegten britischen Humor der schwarzen Sorte lachen können. In den schönsten Farben des Herbstlaubes fotografiert und mit durchgehendem Augenzwinkern und kindlicher Lust am Makaberen inszeniert, besticht IMMER ÄRGER MIT HARRY vor allem durch seine skurrilen Charaktere, dargeboten von einem hervorragenden Ensemble.

Shirley MacLaine spielt hier ihre erste Filmrolle und bezaubert durch quirlige Spitzbübigkeit. In der besten Szene erzählt sie John Forsythe (späteres Oberhaupt des "Denver-Clans") in einem langen Monolog von ihrer Hochzeitsnacht mit Harry - eine traurige und schockierende Geschichte, die allerdings nicht den gewünschten Anklang findet, weil Forsythe nicht über die Schilderung ihres hauchdünnen Nachthemdes hinwegkommt. MacLaines Filmsohn schießt mit Holzpistolen und tauscht tote Kaninchen gegen Blaubeer-Muffins ("Maultaschen" in der deutschen Fassung, die seinerzeit wohl keine Muffins kannte) bei der netten älteren Dame Mildred Natwick, die ein lüsternes Auge auf den Kapitän im Ruhestand, Edmund Gwenn, geworfen hat und im Tante Emma-Laden des netten Dörfchens für ihr erstes Date in Jahrzehnten zurecht gemacht wird.

Die Dialoge sind durchweg herrlich spleenig. Wenn Mildred Natwick im Wald auf Edmund Gwenn trifft, der gerade Harrys Leiche entsorgen möchte, fragt sie höflich "Haben Sie irgendwelche Unannehmlichkeiten, Captain?" und steigt galant über den Toten. Überhaupt sind es die Frauen die es (wie so oft bei Hitchcock) faustdick hinter den Ohren haben. Die Herren zeigen sich jung und alt als galante Gentlemen und schultern die Spaten um der Liebe willen. Filmhistorisch wertvoll ist IMMER ÄRGER MIT HARRY neben MacLaines Debüt auch wegen der Tatsache, dass Bernard Herrmann hier seinen ersten von vielen meisterhaften Soundtracks für Hitchcock komponierte.

Im Gesamtwerk von Hitchcock nimmt HARRY einen vergleichsweise kleinen Stellenwert ein, doch wer über den Tod eines unliebsamen Zeitgenossen schmunzeln kann und möchte, der ist bei dieser liebenswerten, verspielten Komödie genau richtig.

07/10

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