Mittwoch, 17. Februar 2010

Im Bett (2005)

Kürzlich im Nachtprogramm auf ARTE mittendrin erwischt, nach wenigen Minuten bereits fasziniert zugeschaut, dann auf DVD besorgt und den kompletten Film genossen, so habe ich IM BETT (En La Cama) entdeckt, diese sympathische chilenisch/deutsche Co-Produktion von 2005, die besonders durch ihre Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit besticht.

Zwei Menschen, ein Schauplatz, viel Dialog, Gefühl und Erotik.
Daniela (Blanca Lewin) und Bruno (Gonzalo Valenzuela) verbringen ihren One-Night Stand in einem Hotelzimmer. Sie haben sich gerade kennen gelernt, die Hüllen sind bereits gefallen, wenn der Film beginnt, und im weiteren Verlauf kommen sie sich auch auf andere Art näher. Sie teilen ihre Ängste, Vorgeschichten, Einstellungen und Perspektiven miteinander, aus zunächst Fremden, die nur durch pure Lust zueinander gefunden haben, werden... tja, Vertraute, Freunde, Liebende?

Wir entdecken gegen Ende eine Überraschung, welche die Situation in neuem Licht erscheinen lässt (nein, die beiden kennen sich nicht schon länger, was man zunächst vermuten könnte und eine vorhersehbare Pointe wäre). Daniela und Bruno streiten sich, sie lachen und teilen miteinander, und ihre körperliche Anziehung lässt nicht nach - obwohl zumindest Bruno hin und wieder eine Pause braucht, um neue Kräfte zu sammeln.

Was IM BETT unter der Regie von Matias Bize so ansprechend macht, ist seine Weigerung, den Zuschauer mit albernen Tabubrüchen, pornografischen Einlagen oder dem One-Night Stand als Beispiel einer etwaigen Gesellschafts- oder Zeitkritik zu belästigen, wie es ähnliche Filme ("Lie With Me" oder "Romance") versuchen, dabei aber meist langweilen. Der Sex zwischen den Protagonisten, der immer wieder die Annäherung unterbricht bzw. fortsetzt, ist stets unverklemmt offen, aber nie billig voyeuristisch oder sensationsheischend. Ebenso wie die Geschichte bleibt er in gewisser Weise intim.

Die Schauspieler Lewin und Valenzuela sind nicht nur äußerst attraktiv und schön anzuschauen, sie zeigen auch keine Berührungsängste (im mehrfachen Sinne) und spielen entspannt und überzeugend. Ein paar kleine Längen, die bei einem solchen Sujet kaum vermeidbar sind, schmälern das Vergnügen nicht. Natürlich baut die Geschichte darauf, dass man sich zumindest für eine der beiden Figuren interessiert, sonst funktioniert der gesamte Film nicht. Insofern wird IM BETT wohl auch nicht jedermann gefallen. Ich jedenfalls habe sehr gern 90 Minuten mit Bruno und Daniela im Bett verbracht, es war ein kurzweiliges, amüsantes, durchaus spannendes und absolut prickelndes Vergnügen. Ich hätte gern gesehen, wie es mit beiden weitergeht, insofern hat der Film sein Ziel voll erreicht. Ein kleiner Geheimtipp.

09/10

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