Samstag, 13. Februar 2010

Ich will mein Leben leben (1942)

ICH WILL MEIN LEBEN LEBEN (In This Our Life) aus dem Jahr 1942 war nach "Die Spur des Falken" der zweite Spielfilm von John Huston, dem hier ein hervorragendes Star-Ensemble zur Verfügung stand, allen voran Bette Davis, die weder den Film noch Huston mochte (sie nannte den Film später sinngemäß "den schlechtesten Film, den die Geschichte je gesehen hat"), aber eine absolut souveräne Vorstellung liefert und vor Energie fast explodiert.

Davis spielt Stanley Timberlake, eine verzogene, junge Südstaaten-Tochter, die sich nimmt, was ihr gefällt. Sie spannt der sanftmütigen Schwester (Olivia de Havilland) den Mann aus, verliert an ihm schnell wieder das Interesse, sie trinkt, sie rast betrunken durch die Stadt, stößt alle vor den Kopf, und das ist erst der Anfang...

Mehr soll nicht verraten werden, denn es folgen weitere überraschende Höhepunkte aus dem Leben dieser Soziopathin, die kein Mitgefühl kennt und nur um sich selbst kreist, ein eitles Monster, dem alle - insbesondere die Männer - zum Opfer fallen. In einer genialen Auseinandersetzung gegen Ende zwischen "Onkel" Charles Coburn und seiner egozentrischen Nichte Davis geht Hustons Melodram komplett over the top. Die Warner-Bosse waren nach Sichtung der Muster entsetzt, sowohl von Davis' manieriertem Spiel, als auch von ihrer Aufmachung (sie trägt sehr bizarres, wenig schmeichelndes Makeup). Neben ihr besticht Olivia de Havilland als kompletter Gegenentwurf zum Davis-Charakter. Nicht nur wird sie von Kameramann Ernest Haller anbetungswürdig fotografiert (sie sah nie besser aus als hier), ihre ruhiges, intelligentes Spiel ist gerade im Zusammenspiel mit Davis extrem effektiv. In Nebenrollen tummeln sich der hübsche Dennis Morgan, dessen Liebe zu Davis fatale Folgen hat, der Davis-Dauerpartner George Brent und Vom Winde verweht-"Mammy" Hattie McDaniel.

So ganz überzeugen kann Hustons Film nicht, weil es für das Verhalten der Davis auch nicht ansatzweise einen stimmigen Hintergrund gibt. Sie ist einfach durch und durch böse (oder wie der damalige Werbeslogan lautete: "Niemand ist so gut wie Bette Davis, wenn sie böse ist!") . Bemerkenswert gelungen ist er in der offenherzigen Feststellung, dass Afroamerikaner vor Gericht keine Chance haben, wenn ihre Aussage gegen die einer - wenn auch verlogenen - Südstaaten-Tochter aus gutem Hause steht. Dafür ist die schlechte Frau/gute Frau-Dynamik reichlich altbacken (de Havilland muss unentwegt "hausfrauliche" Qualitäten zeigen, ihre gerade noch geduldete Rebellion besteht darin, sich einen roten Hut zu kaufen).

Aber auch wenn psychologisch hier nicht alles stimmt, unterhaltsam ist ICH WILL MEIN LEBEN LEBEN auf jeden Fall, er hat Tempo und war verdientermaßen ein Publikumshit.

09/10

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