Mittwoch, 17. Februar 2010

Haus der Spiele (1987)

"Haus der Spiele" war die erste Regiearbeit des gefeierten Bühnen- und Drehbuchautors David Mamet. Der Film war im Entstehungsjahr Kritikerliebling, wurde aber vom Publikum kaum beachtet, was einerseits an der unspektakulären Besetzung (mit Schauspielern statt Stars) und der noch unspektakuläreren Umsetzung lag. Für den Freund des feinen, intellektuell verspielten Thrillers ist er jedoch noch immer ein wahrer Genuss.

Der Film erzählt von einer Psychanalytikerin (Lindsay Crouse), die sich mit ihrem Lebenstrott nicht abfinden will und plötzlich an einen Kriminellen (Joe Montegna) gerät, der sie immer tiefer in ein Netz aus Gaunereien, Intrigen und gefährlichen Spielen verstrickt...
"Haus der Spiele" ist ein Film der leisen Töne - stellenweise wirkt er geradezu französisch (die Geschichte könte ebensogut einem Chabrol-Krimi entstammen, der viel später mit Isabelle Huppert in "Das Leben ist ein Spiel" ebenfalls das Thema bearbeitete). Das Darsteller-Ensemble ist hervorragend, man sollte allerdings die teilweise artifiziellen und theaterhaften Dialoge mögen, die typisch Mamet sind und von anderen Rezensenten als "hölzern" bezeichnet werden, was aus meiner Sicht meilenweit am Punkt vorbeigeht. Mamet geht es nicht um Realismus, sondern um eine Kunstwelt, in der sowohl Dialoge als auch Ausstattung, Kostüme und Requisiten mit Bedeutung aufgeladen sind (sogar Lindsay Crouses Frisur ändert sich je nach psychologischer Verfassung ihres Charakters).

Hochspannend ist der Thriller allein wegen der Psychologie - es gibt hier weder Verfolgungsjagden, Explosionen noch sonstige Action. Geschickt beginnt der Film mit einer starken Situation, die sich aber als Fake herausstellt, wonach der Zuschauer alles Folgende in Frage stellt. Genau dieses Katz- und Mausspiel mit dem Zuschauer treiben auch die Charaktere untereinander, und genau das macht das große Vergnügen des Films aus. Man weiß selten,w as als Nächstes passiert, und selbst wenn man an einer bestimmten Stelle ahnt, wer gerade reingelegt werden soll, kann der Film trotzdem noch überraschen.
"Haus der Spiele" ist eine seltene Perle im amerikanischen Thriller-Kino - er ist ambivalent, ruhig, kühl, lakonisch und intelligent. Ein kleiner Geheimtipp.

08/10

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