Mittwoch, 17. Februar 2010

Haus aus Sand und Nebel (2003)

Es ist schon traurig, dass "Das Haus aus Sand und Nebel" fast drei Jahre gebraucht hat, um hierzulande einen Verleiher zu finden und sagt viel über unsere (nicht vorhandene) Kinokultur aus. Dabei wurde der Film in anderen Ländern mit Preisen und Nominierungen überhäuft. Obwohl er eindeutig ein hochklassiges Mainstream-Produkt ist (A-Stars, A-Crew), liegt seine Story so abseits vom Mainstream wie es nur geht. "Das Haus aus Sand und Nebel" ist düster, pessimistisch, depressiv und hoffnungslos. Gnadenlos werden hier Menschen gezeigt, die nicht in der Lage sind, einen simplen Konflikt zu lösen, sondern immer und immer wieder die falschen Entscheidungen treffen und damit eine echte Tragödie von Shakespearschem Ausmaße heraufbeschwören. Die Grundstory: Jennifer Connelly wird das Haus am Strand von der Bank weggenommen, Ben Kingsley kauft es. Sie muss raus, er will rein. Sie will ihre Vergangenheit nicht loslassen, er will seine Zukunft nicht aufgeben.
Was sich zunächst anhört wie eine banale Handlung, entpuppt sich schnell als Metapher für menschliches Verhalten.
Das Besondere an der Story ist, dass es keinen "Bösen" gibt. Alle Figuren handeln aus verständlchem Antrieb, alle wollen nur das Beste - für sich selbst. Immer wieder muss man sich als Zuschauer neu entscheiden, auf wessen Seite man steht. Alle Charaktere haben Schwächen und Defizite, sind aber auch immer wieder sympathisch und zutiefst menschlich. Die Darstellerleistungen sind grandios. Ben Kingsley hat eine so unheimliche Präsenz, dass man kaum noch von Darstellung sprechen kann - er ist seine Figur. Jennifer Connelly, immer gut für ungewöhnliche Rollen in ungewöhnlichen Filmen, spielt hier quasi ihre Figur aus "Requiem for a Dream" weiter (eine von Selbstzweifeln und Schwächen zerfressene junge Frau am Rande der Depression), und ebenso intensiv. Die (Film-)Ehefrau von Ben Kingsley verdient eine weitere Erwähnung, sie verleiht ihrer Rolle eine unglaubliche Würde und Verletzbarkeit.
Die Kameraarbeit ist makellos. Immer wieder gibt es Einstellungen aus der Vogelperspektive, als wenn die Götter auf das Geschehen herunterblicken (laut Regie-Kommentar der US-DVD war dies auch die Absicht) und das verzweifelte Treiben der Menschen beobachten (und lenken?). Sogar Filmkomponist James Horner verzichtet auf seine übliche Überzuckerung und hat einen sehr subtilen, beunruhigenden Score komponiert, der erst im Schlussakt ein erkennbarer "Horner" wird. "Das haus aus Sand und Nebel" ist auf jeder Ebene hochklassig und dazu mörderisch spannend - auf psychologisch intelligente Weise.
Eine Warnung sollte zuletzt auch ausgesprochen werden - man ahnt als Zuschauer schnell, dass die Geschichte wohl keinen guten Ausgang nimmt, aber man sollte sich als Zuschauer auf alles gefasst machen. Der Film berührt nicht nur, er bleibt nachhaltig im Gedächtnis und schmerzt noch Tage später. Ein Meisterwerk! Für mich einer der besten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

10/10

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