Mittwoch, 17. Februar 2010

Grüße aus Hollywood (1990)

Nach seinem Erfolg mit "Die Waffen der Frauen" verfilmte Mike Nichols 1990 mit gleichem Team hinter der Kamera den Bestseller GRÜSSE AUS HOLLYWOOD (Postcards From The Edge) von Schauspielerin Carrie Fisher (Prinzessin Leia aus "Star Wars") über die drogenabhängige Filmschauspielerin Suzanne (Meryl Streep), die zur Überwachung des Entzugs in die Obhut ihrer Mutter Doris (Shirley MacLaine) übergeben wird. Da ausgerechnet Doris, ehemals ein großer Hollywood-Star, die Ursache für Suzannes Probleme ist, fliegen bald die Fetzen...

Mike Nichols gelang mit GRÜSSE AUS HOLLYWOOD eine wunderbare Mischung aus Komödie und Drama, die zu keiner Zeit sentimental wird. Natürlich gehört der Film in erster Linie Streep und MacLaine, die beide großartige Leistungen zeigen. Streep ist die ewig verwirrte Tochter, die trotz ihres Talents mit ihrem Leben nichts anfangen kann und unentwegt gedemütigt wird, MacLaine spielt die überdominante Mutter, die alle Aufmerksamkeit an sich reißt und immer das letzte Wort hat. Teile der Geschichte sind deutlich autobiografisch. Mit ihrem Buch hat Carrie Fisher ihr schwieriges Verhältnis zur Mutter (und Hollywood-Legende) Debbie Reynolds verarbeitet, und es ist bewundernswert, dass sie dabei nie verletzend wird, sondern jeder Figur Sympathie verleiht und nach eigenen Fehlern sucht - als Gegenbeispiel hätten wir "Meine liebe Rabenmutter", der nichts anderes ist als eine hinterhältige Abrechnung einer verbitterten Tochter.

In Nebenrollen brillieren Richard Dreyfuss, Dennis Quaid, Annette Bening und Gene Hackman als väterlicher Freund und Regisseur. Neben den vielen Pointen und originellen Szenen bietet GRÜSSE AUS HOLLYWOD auch interessante, ironische Einblicke hinter die Kulissen Hollywoods und enthüllt nebenbei einige Filmtricks. Dazu singt Shirley MacLaine "I'm Still here", und Streep den Country-Song "I'm Checking Out". Absolut umwerfend komisch ist die große Auseinandersetzung der beiden, in der es um einen hochgezogenen Rock von MacLaine und fehlende Unterwäsche geht, ein traumatisches Erlebnis aus Streeps Kindheit. Wenn MacLaine gegen Ende dann noch alle Eitelkeit über Bord wirft und vollkommen ungeschminkt und ohne Perücke auftaucht, dann muss man den imaginären Hut ziehen. Das besondere Lob an die Darsteller gebührt auch Mike Nichols, der in seiner langen Karriere (sein erster Film war der großartige "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?") Dutzende von Stars zu Meisterleistungen getrieben hat. Einer der besten Schauspieler-Regisseure aller Zeiten. GRÜSSE AUS HOLLYWOOD bietet zwei Diven in Hochform, viel Komik und ein paar Tränen - was will man mehr?

08/10

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