Mittwoch, 17. Februar 2010

Grifters (1990)

"Grifters" ist seinerzeit im Kino eher untergegangen und hat bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad, den er verdient hätte. Unter der Regie von Stephen Frears ("Gefährliche Liebschaften"), und produziert von Martin Scorsese, entstand ein Beinahe-Meisterwerk des modernen Film Noir, ein moralisches Thriller-Drama über Leidenschaften, Habgier und Obsessionen, und das Ganze dargeboten von einer erstklassigen Besetzung in Hochform.

"Grifters" erzählt die komplexe Geschichte von drei Trickbetrügern (John Cusack, Annette Bening und Anjelica Huston), die unabhängig voneinander auf verschiedene kriminelle Arten ihr Geld verdienen. Cusack dreht kleine Gaunereien, Huston - Cusacks Mutter - arbeitet auf Pferderennbahnen für die Mafia, und Bening - Cusacks Freundin - war einst die Assistentin des größten Betrügers aller Zeiten und plant einen letzten großen Coup. Doch das bringt seine Mutter auf den Plan, die nach einem geplatzten Deal dringend das Weite suchen muss und dafür Cusacks Geld braucht...
Neben dieser verstrickten Handlung sind es insbesondere die Beziehungen der Figuren zueinander, die den Reiz der Geschichte ausmachen. Zwischen Huston und Filmsohn Cusack besteht eine höchst unmoralische sexuelle Anziehung, derer sich beide bewusst sind. Annette Bening hingegen ist nicht nur vollkommen abgebrüht und verrückt nach Cusack, sondern verkauft auch noch nebenbei ihren Körper für die monatliche Mietzahlung.
Was an "Grifters" besonders fasziniert ist die Art, in der Stephen Frears das Dreiecksgeflecht aus "Gefährlichen Liebschaften" auf ein komplett anderes Genre und eine andere Zeit überträgt. In beiden Werken steht ein moralisch verdorbener Mann im Zentrum (John Malkovich/John Cusack), der zwischen zwei Frauen sowie seiner Liebe, seinen Begierden und seiner Ehre hin - und hergerissen ist. Und ebenso parallel führen sämtliche dramatischen Konflikte und die Skrupellosigkeit der Figuren zu einer blutigen Tragödie.
Formal ist Stephen Frears mit "Grifters" ein äußerst düsterer Film Noir gelungen, in dem Humor kaum Platz findet - wenn, dann nur in zynischer Form. Unterstützt wird er von Elmer Bernsteins ungewöhnlichem Score. Die große Hauptattraktion von "Grifters" ist und bleibt aber Anjelica Huston (oscar-nominiert). Ihre Darstellung ist so gewaltig und kompromisslos, dass die anderen Darsteller Mühe haben, dagegen zu halten - hier sei besonders die Originalfassung empfohlen, denn die Synchronisation kann unmöglich die Ausdruckskraft von Hustons Originalstimme übertragen. Annette Bening, deren großer Durchbruch "Grifters" war (ebenfalls oscar-nominiert), fasziniert mit einer gekonnten Interpretation eines vollkommen verdorbenen Flittchens. Leider gelingt es John Cusack nicht durchgehend, mit beiden Frauen mitzuhalten, insbesondere Huston spielt ihn mit Leichtigkeit an die Wand. Aber das ist vielleicht die einzige Schwäche des ansonsten meisterhaften Films.
Zuletzt sei gesagt, dass es eine Wohltat ist, einen Mainstream-Film zu sehen, der sich ausschließlich an ein erwachsenes und intelligentes Publikum richtet. Sämtliche Spannung bezieht "Grifters" lediglich aus den Figurenkonstellationen und den Konflikten der Charaktere, nie über die äußere Handlung. Diese Charaktere können auf den unvorbereiteten Zuschauer äußerst unsympathisch und abstoßend wirken, und "Grifters" ist alles andere als ein Wohlfühl-Film. Auch sein langsamer Erzählryhthmus dürfte ein junges, MTV-gewöhntes Publikum eher abschrecken.
Für alle, denen derlei nichts ausmacht, bietet "Grifters" großes Schauspieler-Kino vom Allerfeinsten und eines der wenigen Werke, die das Prädikat "Neo-Noir" wirklich verdienen. Denn positiv ist in der Welt der "Grifters" wirklich nichts.

09/10

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