Sonntag, 14. Februar 2010

Graf Zaroff - Genie des Bösen (1932)

Nach einer Schiffskatastrophe strandet der passionierte Großwildjäger Robert (Joel McCrea) auf der einsamen Insel des Grafen Zaroff (Leslie Banks), welcher ein merkwürdiges Hobby pflegt - er veranstaltet gern mit Schiffbrüchigen Menschenjagden durch das Dickicht der Insel. Schon bald findet sich unser Jagdexperte neben Fay Wray als Beute im Dschungel wieder und muss gegen den Grafen und dessen Häscher um sein Leben kämpfen...

GRAF ZAROFF (The Most Dangerous Game) aus dem Jahr 1932 gehört zu den ganz großen Klassikern des Horrorfilms, obwohl er eher als Abenteuergeschichte angelegt ist. Doch sind der unheimliche Graf, das mittelalterliche Schloss, seine finstere Dienerschaft inklusive fleischfressender Dobermänner und der vor sexueller Symbolik strotzende Studio-Regenwald so unverkennbar Archetypen des Horrorfilms, dass man ihn getrost diesem Genre zurechnen kann.

Der Film entstand unter der Regie von Ernest B. Schoedsack und Irving Pichel, und zwar während einer Drehpause von "King Kong", in der das Drehbuch umgeschrieben wurde und die Zeit genutzt werden sollte. So kommen in beiden Filmen die gleichen Sets zum Einsatz, und so ist es auch kein Wunder, dass die geliebte weiße Frau des Riesenaffen hier den weiblichen Haupt-Part spielt. Graf Zaroff - extrem bedrohlich von Leslie Banks dargestellt - ist wie Bela Lugosis Dracula ein vornehmer europäischer Gesellschafter, kultiviert, belesen, den klassischen Künsten zugetan und vom Scheitel bis zur Sohle unmoralisch, ein Marquis de Sade, der das Töten zum Lustgewinn braucht. Kurzum, er ist die absolute Bedrohung für den aufrechten Amerikaner McCrea.

Die beiden Männer duellieren sich in jeder Beziehung. Sie streiten sich über den Unterschied zwischen Jagd und Mord (die Grenzen sind fließend, wie wir sehen werden - der Großwildjäger wird auf seiner Flucht zum Mörder), sie sind das verzerrte Spiegelbild des anderen, sie teilen die gleichen Leidenschaften. Graf Zaroff ist fasziniert von Robert, er will ihn beherrschen, herausfordern, schließlich töten, doch bewundert er ihn auch und möchte aus dem Gegenüber zunächst einen Partner machen. Wenn er ihn getötet glaubt, zündet er sich eine Zigarette an. Selten waren homoerotische Implikationen deutlicher. Wenn McCrea durch den Dschungel gejagt wird, muss er sich nicht nur als Überlebender beweisen, sondern auch als Beschützer der Frau, als "echter" Mann. Graf Zaroff hingegen zeigt keinerlei Interesse an der Dame, sie ist lediglich leicht zu erlegene Beute. Er will Robert, die "gefährlichste Beute von allen" (so der wunderbare doppeldeutige Originaltitel)... Und das sind lange noch nicht alle Subtexte, die der Film zu bieten hat.

GRAF ZAROFF - GENIE DES BÖSEN hat so viele offizielle und inoffizielle Remakes initiiert, dass man seinen absoluten Kult- und Klassikerstatus neidlos anerkennen muss. Ein wahnsinniger Film, heute wie seinerzeit, und absolut erstaunlich, wie er mit nur 60 Minuten Lauflänge eine so reiche, aufregende Geschichte mit durchaus komplexen Charakteren erzählen kann.
Und wer heute die "Hostel"-Reihe dafür lobt, dass sie Menschenjagden als Symptom einer verrohten Zeit schildert, dem sei gesagt, das ist ein ganz, ganz alter Hut - 1932 von GRAF ZAROFF erfunden. Überrascht?

10/10

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