Sonntag, 14. Februar 2010

Glut unter der Asche (1957)

Bei GLUT UNTER DER ASCHE (Peyton Place) aus dem Jahr 1957 handelt es sich um die in den USA sensationell erfolgreiche Verfilmung eines ebenso erfolgreichen Bestsellers von Grace Metalious, der einen Blick unter die nette Oberfläche einer typisch amerikanischen Kleinstadt wagt.

Das Laster-Epos ist als "Mutter aller Seifenopern" in die Geschichte eingegangen, erfreut sich allerorts noch großer Beliebtheit und hat ein Sequel ("Return to Peyton Place") sowie eine TV-Serie inspiriert. Das Geheimnis seines Erfolges liegt in der Kombination von klassischem Hollywood-Starvehikel (vertreten durch Lana Turner) mit dem populären Teenager-Kino, welches mit Filmen wie "Denn sie wissen nicht, was sie tun" das 50er Jahre-Kino für immer veränderte.

So richtig ernst nehmen kann man das Spektakel nicht, dafür ist es zu bieder, verklemmt und oberflächlich, aber man kann nicht leugnen, dass es wahnsinnig gut unterhält. Ich würde ihn als großen schlechten Film bezeichnen, der immer wieder Spaß macht. Regisseur Mark Robson, der später die Skandale der Unterhaltungsindustrie in seinem Trash-Klassiker "Tal der Puppen" aufdecken sollte, fährt alles auf, was man bislang nicht zu zeigen wagte: Im ärmeren Viertel der Stadt hat der alkoholisierte Arthur Kennedy ein lüsternes Auge auf Töchterlein Hope Lange geworfen, die ihn im Nahkampf ("Meine kleine Wildkatze") per Knüppelhieb ins Jenseits befördert und verscharrt.

Die eiserne Jungfrau des Dörfchens, die ihrer pubertierenden Tochter (Diane Varsi) nicht einmal eine harmlose Geburtstagsparty samt Fummeln im Schummerlicht erlaubt, wird ausgerechnet von der glamourösen Lana Turner gespielt, deren private Affären und Skandale seinerzeit unaufhörlich die Klatschpresse erfreuten. Sie stellt sich natürlich als geläutertes Bad Girl heraus, das die Tochter vor ähnlichem Schicksal bewahren will und hat für diese Leistung eine Oscar-Nominierung erhalten. Wenn sie gerade nicht so tut, als wäre Sex das Schlimmste noch vor Pearl Harbor (das zeitgleich stattfindet), trägt sie wundervolle Garderobe und tadellose Frisuren, so wie man es gerne hat.

Überhaupt ist GLUT UNTER DER ASCHE ein Film der Frauen. Die männlichen Charaktere und ihre Darsteller sind komplett uninteressant. Neben den erwähnten Highlights gibt es noch genügend dunkle Geheimnisse, Erpressung, Fehlgeburten, Selbstmord, Lügen und Intrigen, dass es für mehrere "Denver"-Staffeln gereicht hätte, inklusive einer endlosen Gerichtsverhandlung. Apropos endlos, der Film dauert über zweieinhalb Stunden, und wenn er vorbei ist, kann man froh sein, dass man in einer vergleichsweise harmlosen deutschen Stadt wie Berlin lebt, wo alles viel schöner, freundlicher und gewaltloser zugeht als in Peyton Place.

GLUT UNTER DER ASCHE ist großes, bizarres Hollywood-Kino, bunt, ausufernd, poppig und tränenreich. Eine große Oper, herrlich unfreiwillig komisch und bewegend zugleich.

08/10

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