Mittwoch, 17. Februar 2010

Gloria (1980)

GLORIA aus dem Jahr 1980 gehört zu den zugänglichsten und erfolgreichsten Werken des US-Independent-Regisseurs John Cassavetes (der auch als Schauspieler erfolgreich war). Tatsächlich wollte er sogar das Drehbuch ursprünglich nur verkaufen und nicht selbst inszenieren, weil es für seinen Geschmack zu sehr Mainstream war. Glücklicherweise für Cineasten in aller Welt hat er schließlich die Regie doch übernommen, und GLORIA gehört sowohl zu seinen besten Arbeiten als auch zu den besten Filmen der 80er.

Gena Rowlands, im wahren Leben Ehefrau von Cassavetes und Hauptdarstellerin fast aller seiner Filme, spielt die Titel- (Anti-)Heldin so unvergesslich und gnadenlos, dass man sich den Film nicht ohne sie vorstellen kann - dennoch wurde ein sinnloses Remake mit Sharon Stone in der Rowlands-Rolle gedreht, und das ausgerechnet von einem der besten US-Regisseure aller Zeiten (Sidney Lumet), was für eine Verschwendung von Talent! Aber ich schweife ab.

In GLORIA hetzt Gena Rowlands mit einem kleinen Jungen und einem Beweisstück durch ein realistisches, hässliches New York, verfolgt von Gangstern, welche die Eltern des Jungen eliminiert haben. Gloria kann zwar mit dem Kind nichts anfangen, seinem Schicksal überlassen will sie ihn aber auch nicht. Auf ihrer Reise durch die Großstadt, von einem schäbigen Motel ins nächste dreckige Restaurant, kommen sich die beiden näher.

Was GLORIA dabei so besonders macht, sind die vielen Nicht-Hollywood-Details. Wie üblich drehte Cassavetes mit minimalem Budget an Originalschauplätzen, es gibt keine verklärte Postkartenansicht oder stilisierte Sicht auf New York. Der Putz bröckelt überall von den Wänden, ähnlich wie in Friedkins "French Connection". Cassavetes glorifiziert nichts, nicht einmal seine Ehefrau Rowlands. Wenn sie nicht gerade Kette raucht, setzt sie sich kaltblütig zur Wehr. Bevor sie ein Risiko eingeht, ballert sie lieber drauflos. "Ich mag keine Kinder - am allerwenigsten deine", sagt sie zu Beginn des Films, und das glaubt man ihr aufs Wort. Die Beziehung von Rowlands' Gloria zu dem Jungen entwickelt sich über mehrere überraschende Wendungen, was dem Film Spannung und Originalität verleiht. "Ich bin der Mann!", ruft der Kleine immer wieder, weil er mit falschen Männlichkeitsidealen (aus Fernsehen, Kino und dem schmierigen Bekanntenkreis seiner Eltern) groß geworden ist. Er muss mit Glorias Hilfe lernen, was es wirklich bedeutet, ein Mann zu sein, so wie Gloria erkennen muss, dass sie eine weiche Seite hat. Erwähnt sei noch die wundervolle Musik von Bill Conti, der den Latino-Hintergrund der getöteten Familie aufgreift und sowohl harte wie auch zu Herzen gehende Klänge komponiert.

GLORIA ist mitreißendes, packendes Kino, wie man es heute kaum noch findet. Die Story ist einfach und schnörkellos, aber was Cassavates und seine Darsteller daraus machen, ist grandios und unverwechselbar. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, ebenso wie Rowlands eine meiner Lieblingsheldinnen ist und bleibt. Wenn ich jemals von Killern gejagt werde, dann möchte ich eine Frau wie Gloria an meiner Seite!

09/10

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