Mittwoch, 17. Februar 2010

Geheime Staatsaffären (2006)

Eine Staatsanwältin will die Korruption und die Verschwendungssucht der französischen Regierung an den Pranger stellen und gerät dabei sowohl an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, als auch in Lebensgefahr.

GEHEIME STAATSAFFÄREN gehört vielleicht nicht zu den besten Filmen des großen Claude Chabrol, aber viel spricht für ihn.
Das ist zuallererst Isabelle Huppert. Unglaublich, wie wandlungsfähig und ausdrucksstark diese Frau sein kann, obwohl sich ihr Gesicht kaum bewegt. Alles an ihrer Darstellung einer energischen Untersuchungsrichterin ist subtil und raffiniert. Wie sie die kleinen Sushi-Teilchen mit der Zunge voran verschlingt, so wird sie später ihre Verhöre führen - ohne jedes Mitleid, angetrieben von ehrbaren Absichten, aber selbst knallhart und unerbittlich. Gewinnen kann sie dabei nichts, verlieren eine ganze Menge. Zum Beispiel ihre Wohnung, ihre Sicherheit und ihre Ehe. Hupperts rote Handschuhe und Handtasche sind die Accessoires eines Raubtieres. Sie ist gleichzeitig sympathisch und fremd, nie kann man ganz hinter ihre Fassade blicken (und das liegt nicht an den Hunderten von Zigaretten, die sie im Film raucht). Sie ist darüber hinaus scheinbar alterslos.
Chabrol legt ihr den Film zu Füßen und vergisst dabei leicht seinen Spannungsbogen. Und wenn schon.

Chabrol lässt uns dicht an die Figuren heran. Bei Hupperts Verhören sitzt man hautnah dabei. Ein weiterer Pluspunkt - der Film liebt die Frauen. Huppert und ihre Kollegin liefern sich keinen zu erwartenden Zickenkrieg, sondern arbeiten Seite an Seite. Mögen müssen sie sich nicht, aber sie respektieren sich und ihre Arbeit. Sie untersuchen Quittungen, Spenden und das Privatleben der Mächtigen, während im Hintergrund ganz andere die Fäden ziehen. Was zunächst belanglos erscheint, wird von Minute zu Minute interessanter. Das große Bild stellt sich nie ein, weil es sich auch in der Realität nicht einstellt. Der Ausgang der Untersuchung ist gleichgültig - die Politik kommt ohnehin immer davon. Der kluge Mensch Chabrol weiß das und erspart uns eine Auflösung im klassischen Sinn. Er bricht einfach ab. Das mag man frustrierend finden - oder wahrhaftig.

GEHEIME STAATSAFFÄREN ist nicht leicht zu mögen, sperrig und ungewöhnlich, aber wie viele großen Lieben betört er auf den zweiten Blick ungemein und hält der Zeit stand.

08/10

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