Mittwoch, 17. Februar 2010

Gefährliche Liebschaften (1988)

Stephen Frears' GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN aus dem Jahr 1988 gehört für mich eindeutig zu den besten Filmen aller Zeiten und ist längst ein moderner Klassiker, selbst wenn er seinerzeit die Oscars an "Rain Man" abgeben musste. Auch wer normalerweise einen weiten Bogen um Kostümdramen macht, wird von den LIEBSCHAFTEN begeistert sein, denn er bietet etwas, was diese Art Film oft vermissen lässt - einen bösartigen Humor.

Die geschliffene Ironie der Dialoge (von Christopher Hampton, nach seinem Bühnenstück, welches wiederum auf dem Briefroman von Choderlos de Laclos basiert), der bissige Sarkasmus und die unglaubliche Heuchelei der Hauptfiguren ist so fantastisch gemein, dass es sich Frears sogar leisten kann, hin und wieder reinen Slapstick einzustreuen. So etwas kann natürlich nur von brillanten, reifen Darstellern vorgetragen werden (man vergleiche dazu das Quasi-Remake für die Teenager-Genration, "Eiskalte Engel", eine weitere gelungene Filmadaption ist Milos Formans zeitgleich entstandener "Valmont"). Glenn Close und John Malkovich, beide grandiose Bühnendarsteller, schaffen dies mühelos und mit einer Euphorie, dass es die reine Freude ist, ihnen zuzusehen - nicht nur, weil es zwischen den beiden auch noch herrlich knistert. Allein Glenn Closes schmerzerfülltes Gesicht, wenn sie Uma Thurman beim klimpernden Harfespiel mit schiefem Gesang lauschen muss, lohnt schon das Ansehen des Films.

Michelle Pfeiffer spielt das anmutige, bedauernswerte Opfer der Intrigenspiele von Close und Malkovich (Pfeiffer wurde interessanterweise die Close-Rolle in "Valmont" angeboten, sie entschied sich aber für die Nebenrolle in Frears' Film), in einer Nebenrolle besticht die junge Uma Thurman durch Schönheit, Witz und bemerkenswerten Sex-Appeal. Die Ausstattung ist schwärmerisch schön, George Fenton hat einen fantastischen Score komponiert.

Da stört es auch gar nicht, dass in der Originalversion die Darsteller mit unterschiedlichen amerikanischen Akzenten sprechen oder sich Zettel mit "I Love You" zustecken, obwohl sie Franzosen spielen - derlei Anachronismus ist völlig egal angesichts der Meisterhaftigkeit, mit der hier inszeniert und gespielt wird. Da fällt sogar Keanu Reeves kaum negativ auf. Um den Dialog zu zitieren: Gegen diesen wunderbaren Film bin ich schlicht und einfach machtlos.

10/10

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