Mittwoch, 17. Februar 2010

The Fruit Machine (1988)

THE FRUIT MACHINE von 1988 ist eine kleine Perle des britischen Films, deren Wiederentdeckung längst überfällig war. Dieses seltsame, berührende Außenseiter-Drama hat mich seit zwei Jahrzehnten nie losgelassen, umso schöner, dass es endlich auf DVD veröffentlicht wird.

Die Story: der schwule Teenager Eddie (Emile Charles) lebt mit einer überfürsorglichen Mutter und einem brutalen Vater zusammen in bescheidenen Verhältnissen. Er vergöttert Marilyn Monroe und träumt von einem geheimnisvollen Fremden, der nachts in sein Fenster steigt. Sein bester Freund Michael (Tony Forsythe) schlägt sich als Stricher durchs Leben. Als die beiden in der Szene-Disco "Fruit Machine" Zeuge eines Mordes werden (am Besitzer, gespielt von Robbie Coltrane in Drag), müssen beide aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen und landen in Brighton, wo sie Unterschlupf bei einem Opern-Star finden (der es allerdings nur auf Michaels Körper abgesehen hat) und einer Tierschützerin begegnen, die Delphine aus einer Tiershow befreien will. Der Killer, der die lästigen Augenzeugen beseitigen muss, ist ihnen aber schon auf der Spur...

Zugegeben geht der bizarre Mix aus Coming-of-Age-Drama, Liebesgeschichte und Psycho-Thriller nicht ganz auf, weil sich die Genres etwas im Weg stehen, aber der Mut und Einfallsreichtum von Regisseur Philip Saville ist bewundernswert. THE FRUIT MACHINE begeistert durch unverbrauchte Darsteller, skurille Nebenfiguren, ungewöhnliche Locations und feinen Humor. Ähnlich wie in "Beautiful Thing" müssen sich Eddie und Michael in einer fremden, abweisenden Welt zurecht finden und darin ihren eigenen Weg suchen. Der abgebrühte Michael, der nur gelernt hat, seinen Körper einzusetzen, findet in dem verträumten Eddie die Illusionen, die er längst aufgegeben hat. Der naive Eddie hingegen, der in allem nur die Schönheit und Unschuld sucht, kann sich gemeinsam mit Michaels Hilfe einer ernüchternden Realität stellen.

Dabei geht der Film weit über das übliche Coming-Out-Drama hinaus. THE FRUIT MACHINE ist unglaublich reich an Themen (Jugend, Freiheit, die Schönheit der Natur und die Sehnsucht nach Geborgenheit, welche alle Figuren betrifft) und frei von Klischees. Realistische Settings wechseln mit surrealen Traumsequenzen und Szenen von poetischer Schönheit (etwa wenn Eddie nackt mit den Delphinen schwimmt). Die Liebesgeschichte zwischen Eddie und Michael vollzieht sich ohne jeden Kitsch und oberflächliche Romantik, sie selbst sind sich dieser Liebe überhaupt nicht bewusst. Musikalisch begleitet werden sie von Hans Zimmer, lange bevor er die großen Action-Blockbuster (auf immer die gleiche Weise) vertont hat. Seine elektronische Komposition ist außerordentlich stimmungsvoll und eindringlich, ich habe das Hauptthema 20 Jahre lang nicht vergessen.
Die Schwächen liegen in der Thriller-Story, die nicht wirklich in den Film gehört, obwohl sie die Ereignisse in Gang setzt. Die Konfrontation mit Gewalt ist dabei durchaus richtig für die Figuren und ihre Geschichte, aber im Grunde braucht der Film keinen psychopathischen Killer.
THE FRUIT MACHINE hat insgesamt so viel zu bieten, dass die geringen Mängel nicht von Bedeutung sind. Leider momentan nur ein Geheimtipp, kann THE FRUIT MACHINE vielleicht durch die DVD-Veröffentlichung ein neues (und altes) Publikum ebenso begeistern wie mich.

08/10

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