Mittwoch, 17. Februar 2010

Fright Night (1985)

Die Horror-Komödie FRIGHT NIGHT - DIE RABENSCHWARZE NACHT war 1985 ein Hit in den Kinos und hat trotz einiger typischer 80er-Stilmittel (wie Brad Fiedels Synthie-Score) die Zeit gut überdauert. Die Mischung aus modernem Vampirgrusel und Teenager-Komödie ist wunderbar atmosphärisch, spannend, variiert einige klassische Vampirmotive und bietet nebenbei noch äußerst interessante Subtexte.
Es geht um Charlie (William Ragsdale), den buchstäblich netten Jungen von nebenan, der in dem attraktiven, aber geheimnisvollen neuen Nachbarn (Chris Sarandon) einen bösartigen Blutsauger vermutet. Mit der Hilfe eines abgetakelten Horror-TV-Moderators (Roddy McDowall in einer Paraderolle) will er dem Grauen den Garaus machen, doch das ist schwieriger als gedacht...

Ich habe FRIGHT NIGHT seit den 80ern unzählige Male gesehen und kann mich immer wieder an dem Film erfreuen. Die Hauptattraktionen sind wirklich fantastische Spezialeffekte, die seinerzeit absolut State of the Art waren, ein kluges, witziges Drehbuch und das Schauspiel-Duell zwischen dem nonchalanten Vampir Chris Sarandon und Roddy McDowall, dessen Filmname Peter Vincent als Verbeugung vor den Horror-Legenden Peter Cushing und Vincent Price verstanden werden darf. McDowall ist als moderner Van Helsing, der beim Anblick seines ersten "echten" Vampirs zum schlotternden Wrack wird ("Ich hab' die Hosen voll!"), so hinreißend, dass man ihn und den gesamten Film dafür lieben muss. Das Spiel mit Vampir-Mythen (Weihwasser, Kreuze) wird äußerst intelligent durchgeführt und zollt den klassischen Vorbildern dennoch Tribut, etwa wenn Sarandon als Vampir nur auf explizite Einladung hin das Haus der unschuldigen Nachbarsfamilie betreten kann. Alle Charaktere sind liebevoll gezeichnet (besonders Ragsdales Mutter und sein bester Freund "Evil Ed"), und die humorvolle Vampirjagd mündet in ein hochspannendes Finale, bei dem man als Zuschauer eine wahre Achterbahnfahrt erlebt.

Regisseur Tom Holland (Child's Play) unterfüttert seinen Film dazu mit deutlich homoerotischen Subtexten, die man eher selten im Horror-Genre findet. So wohnt Vampir Sarandon nicht nur mit seinem hübschen jüngeren "Helfer" (Jonathan Stark) zusammen und ist offiziell als Antiquitätenhändler tätig, Teenager Ragsdale kann sich beim Anblick der nächtlichen Untaten des faszinierenden Nachbarn kaum noch aufs Knutschen mit Freundin Amanda Bearse ("Marcy" aus "Eine schrecklich nette Familie") konzentrieren. Dazu besetzt er Ragsadales Freund "Evil Ed" mit Stephen Geoffreys, der sein Geld einst mit Gay-Hardcore verdient hat, und der von Sarandon mit den Worten "Ich weiß, wie es ist, anders zu sein. Hab' keine Angst! Niemand wird sich mehr über dich lustig machen!" verführt wird. Von diesen Beispielen wimmelt es in FRIGHT NIGHT, der nicht nur vom Erwachsenwerden eines großen Kindes erzählt, sondern auch von einem sexuellen Erwachen (was in der Schluss-Sequenz noch unterstrichen wird).
Diese Lesarten muss man nicht wahrnehmen, darf man aber, und so funktioniert FRIGHT NIGHT wunderbar auf mehreren Ebenen. Seinerzeit wurde er wegen des kommerziellen Erfolgs künstlerisch abgewertet (er wurde für den 80er-Trend zur Horror-Parodie im Mainstream verantwortlich gemacht, was vielen Genre-Fans verständlicherweise gegen den Strich ging), aber seine Qualität hat die Zeit überdauert. FRIGHT NIGHT ist ein großartiger Spaß von Anfang bis Ende.

10/10

Angst vor Vampiren?

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