Dienstag, 16. Februar 2010

Frenzy (1972)

Alfred Hitchcock's vorletzter Film "Frenzy" gehört sicher zu seinen besten, spannendsten, aber auch düstersten und schockierendsten Filmen.

Die Story: in London treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der Frauen mit seiner Krawatte erwürgt. Der heruntergekommene Barmann Blaney (Jon Finch) wird für besagten Möder gehalten, nachdem seine Ex-Frau nach einem öffentlich ausgetragenen Krach ermordet aufgefunden wird. Nun wird er von Scotland Yard gejagt, nicht ahnend, dass sein guter Kumpel (Barry Foster) der psychopathische Mörder ist...

Die Verbindung von grausamen Morden und makaberem Humor sorgt für ein unvergessliches, zeitloses Filmvergnügen. Für "Frenzy" kehrte Hitchcock nach Jahrzehnten in seine Heimtstadt London zurück, und er nutzt diesen Ort für die filmische Erzählung meisterhaft. Die Tower Bridge, die Themse, Covent Garden, all diese touristischen Sehenswürdigkeiten werden bei Hitchcock zu Orten des Schreckens. Ebenfalls bemerkenswert ist sein Verzicht auf jegliche Star-Namen.

Hitchcock besetzte "Frenzy" mit hervorragenden britischen Theaterdarstellern, die ihre Rollen mit unglaublicher Authentizität spielen, und zwar bis in die kleinsten Nebenrollen. Dies erzeugt einen intensiven Realismus, der vormals bei Hitchcock schwer zu finden war. Neben dieser Abkehr vom Starkino zeigt "Frenzy" den Regiemeister aber auch von einer sehr zynischen Seite. Der Humor ist schwärzer noch als schwarz, die Dialoge sprühen nur so vor Bitternis, keine Beziehung der Figuren im Film ist in irgend einer Weise positiv. Die einzig sympathische Figur (Anna Massey) erleidet das schlimmste Schicksal, alle anderen sind entweder feige, gemein, biestig, pervers, verklemmt oder einfach nur irre. So wird der ermittelnde Yard-Inspektor daheim von seiner treuen Ehefrau mit den ausgefallensten kulinarischen "Köstlichkeiten" gequält, während er doch nur eine einfache Mahlzeit möchte.

Hitchcock zieht diese Parallele von Essen und Tod durchgängig, allein dieser Subtext macht "Frenzy" auch bei mehrmaligem Sehen immer wieder faszinierend. Selten war Hitchcock auch so drastisch in der Gewaltdarstellung. Die Ermordung von Barbara Leigh-Hunt ist die wohl grausamste Tötung in Hitchcocks Oeuvre und für den Zuschauer extrem unangenehm anzuschauen. "Frenzy" fasst zusammen, was Hitchcock in seiner Karriere so einzigartig gemacht hat, von seinen Lieblingsmotiven (der unschuldig Verfolgte, der krankhafte Mörder mit Mutterkomplex, etc.) bis zur formalen Präzision und ausgefallener Bildsprache. Und natürlich die intensive Spannung, die den Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält.

10/10

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