Mittwoch, 17. Februar 2010

Fremde Schatten (1991)

FREMDE SCHATTEN (Pacific Heights) stammt aus den frühen 90ern, als eine ganze Welle von Psycho-Thrillern über häusliche Bedrohungen die Kinos erreichte. Durchgedrehte Babysitter ("Die Hand an der Wiege"), irre Polizisten ("Fatale Begierde") oder psychopathische Untermieterinnen ("Weiblich, ledig, jung...") mussten bekämpft werden, um die Ordnung der Kleinfamilie wieder herzustellen.

FREMDE SCHATTEN ist in dieser Welle untergegangen, was auch an seinem unspektakulären, leicht verwechselbaren und nichtssagenden Titel liegen mag. Dabei handelt es sich hier um einen der besten Psycho-Thriller der 90er, der langsam und stetig eine beunruhigende Spannung aufbaut.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der etwas undurchsichtige Michael Keaton mietet eine kleine Wohnung im restaurierten Traumhaus von Matthew Modine und Melanie Griffith. Kurz darauf fehlt von ihm jede Spur, die Miete wird nicht mehr gezahlt, Kakerlaken überfallen die übrigen Wohnungen, Lärm dringt aus den verschlossenen Räumen, der Traum vom Eigenheim verwandelt sich in einen Alptraum. Als sich das junge Paar - nervlich bereits am Ende - endlich wehrt, beginnt der Terror erst richtig...

Was FREMDE SCHATTEN so überzeugend macht, ist neben dem hervorragenden Spiel seiner Darsteller und der präzisen Regie von Altmeister John Schlesinger das Spiel mit Urängsten, insbesondere Existenzängsten. Sehr genau beschreibt das Drehbuch, wie Modine und Griffith sich finanziell viel zu weit aus dem Fenster lehnen, um ihr Traumhaus zu kaufen, und welch fatalen Folgen aus ihrer Naivität entwachsen. Der Thriller bezieht seine Spannung (zunächst) nicht daraus, einen mordgierigen Psychopathen auf die Protagonisten loszulassen, sondern aus der Ungewissheit über dessen wahre Absichten und das langsame Abgleiten in die Schuldenfalle. Insofern ist Michael Keatons Figur durchaus auch als Symbol zu verstehen. Aus der finanziellen Notlage heraus steigern sich auch private Konflikte und Schuldzuweisungen, die das anfangs glückliche Paar immer mehr entzweien und entfremden.

FREMDE SCHATTEN bleibt daher trotz der Thriller-Konstruktion immer realistisch, mit genauem Blick auf menschliche Verhaltensweisen in Extremsituationen. Das Drehbuch ist sehr logisch aufgebaut, jede Handlung hat Konsequenzen, die wiederum zu weiteren zwingenden Ereignissen führen. Je bedrohter sich das Pärchen fühlt, desto stärker wird die Gegenreaktion.
Klasse ist der originelle Soundtrack von Hans Zimmer, der die Handlung konstant voranpeitscht. Michael Keaton spielt hier eine seiner besten Rollen und hat offensichtlich viel Spaß dabei. Matthew Modine und Melanie Griffith überzeugen ebenso als sympathisches Pärchen von nebenan. Ein kurzer Auftritt von Tippi Hedren, Hauptdarstellerin aus Hitchcocks "Die Vögel" und "Marnie" sowie im wahren Leben Mutter von Melanie Griffith, ist gleichzeitig Insider-Gag und Hommage an den Meister des Thrillers.

FREMDE SCHATTEN ist sicher keine Sternstunde des Kinos oder ein cineastisches Juwel, doch für den Psycho-Thriller der 90er ist er ein hervorragendes, hochspannendes Beispiel und beste Unterhaltung auf hohem Niveau. Man kann ihn mehrfach sehen und immer neue Details entdecken.

9.5/10

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