Mittwoch, 17. Februar 2010

Frankie und Johnny (1996)

FRANKIE & JOHNNY aus dem Jahr 1991 gehört zu den schönsten romantischen Komödien der 90er. Autor Terrence McNally schrieb das Drehbuch nach seinem eigenen Theaterstück, die Bühnen-Wurzeln machen sich im Film in den guten Dialogen und der sorgsamen Entwicklung der Charaktere bemerkbar. Die Komödie steht dabei nicht im Vordergrund, der Humor bleibt stets zurückhaltend. Mit Michelle Pfeiffer und Al Pacino sowie einem exzellenten Ensemble an Nebendarstellern ist die Romanze hervorragend besetzt, und so sperrig einem auf den ersten Blick die Paarung Pacino/Pfeiffer erscheinen mag, so überraschend gut funktioniert sie hier. Immerhin haben die beiden schon eine Film-Vergangenheit, war doch Pfeiffer zehn Jahre zuvor Pacinos Gangsterbraut in Brian De Palmas "Scarface", der eher weniger romantisch war.

In FRANKIE & JOHNNY geht es um das Leben in New York, die Mitarbeiter eines schlichten Restaurants, über Single-Dasein und darüber, dass die Liebe an ungewöhnlichsten bzw. gewöhnlichsten Orten zuschlagen kann, gerade wenn man nicht mehr an sie glaubt. Koch Johnny (Pacino) kommt gerade aus dem Knast, Kellnerin Frankie (Pfeiffer) hat jede Illusion über Romantik verloren. Mit Herzlichkeit und Lebensfreude kann er die kühle Frankie bald auftauen, doch ihr Misstrauen und die Vergangenheit entzweien sie immer wieder...

Im Gegensatz zum doch eher märchenhaft-realitätsfernen "Pretty Woman" zeichnet Garry Marshall hier ein leicht geschöntes, aber doch halbwegs realistisches Bild der "kleinen Leute" und ihrer Arbeitswelt. Besonders Michelle Pfeiffer überzeugt in ihrer authentischen Spielweise ohne viel Makeup und Glamour, Pacino spielt mit angenehm geringem Maß an Eitelkeit seinen Ex-Knacki, der natürlich nicht wirklich ein Krimineller ist und gerne Shakespeare zitiert (an dieser Stelle verlässt der Film komplett die Realitätsebene). Große romantische Gesten gibt es nicht in dieser Welt, aber kleine. Wenn Pacino für Pfeiffer eine Rose aus einer Kartoffel schnitzt, dann ist das ebenso wunderbar wie das Öffnen einer Blumenauslage im Hintergrund, wenn sich Frankie und Johnny auf der Straße unterhalten. Und die finale Szene - ein gemeinsames Zähneputzen zu Debussys "Claire de Lune", das nie schöner im Film eingesetzt wurde - ist so bezaubernd unkitschig, dass man einfach dahinschmelzen muss.
Neben der Liebesgeschichte erzählt der Film auch über den Kampf gegen die Einsamkeit in der Großstadt und den Arbeitsplatz als Familienersatz, wo man Geborgenheit und Verständnis findet, auch wenn einem das gar nicht bewusst ist. "Du bist nicht allein", lautet die schlussendliche Botschaft von FRANKIE & JOHNNY, die man ab und zu einfach gerne hört und hören muss - auch wenn sie vielleicht nur bedingt wahr ist.

08/10

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