Mittwoch, 17. Februar 2010

The Fountain (2006)

Darren Aronofskys "The Fountain" hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich für Brad Pitt und Cate Blanchett geplant, stiegen beide Darsteller nach Uneinigkeit mit dem Regisseur aus, das Projekt wurde auf Eis gelegt, später bekam Aronofsky erneut grünes Licht, allerdings sehr viel weniger Geld und musste seine Meditation um Tod und Verlust in drei verschiedenen Zeitepochen mit äußerster Kreativität umsetzen.

Dies ist ihm außerordentlich gelungen. Zwar mag der Film viele Zuschauer verwirren (hier gut nachzulesen), aber wer "The Fountain" wirr findet, der hat einfach verlernt, Augen, Ohren und Gehirn beim Ansehen eines Films mitlaufen zu lassen. Tatsächlich ist der dreifachen Parallelhandlung sehr leicht zu folgen (die Gegenwarts-Ebene nimmt dabei ohnehin den größten Raum ein, insofern ist der Film weit weniger abstrus als einige meinen), und sogar die verschiedenen Metaphern sind relativ einfach zu entschlüsseln. Aronofsky hilft dem Zuschauer an jeder Stelle durch Details und sich wiederholende Gegenstände/Dialoge (der Ring, der Baum), die Übersicht zu behalten, denn ihm geht es um etwas ganz anderes - die Erfahrung des Verlustes.

Und hier sei gesagt, dass kaum ein anderer Film mir so sehr den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen nahegebracht hat wie "The Fountain". Und es tut sehr gut, neben all den Leichen, die Hollywoods Filme in unendlichen Zahlen pflastern, einmal einen ganzen Film lang über das Sterben eines einzelnen Menschen (hier die wundervolle Rachel Weisz, Ehefrau des Regisseurs) nachzudenken. Darren Aronofsky wollte mit "The Fountain" selbst den Krebstod seines Vaters verarbeiten. Und wer selbst ein wenig persönliche Erfahrung mit dem Thema hat, der wird "The Fountain" nicht nur verstehen, sondern auch dafür bewundern, dass er dies zu seinem zentralen Thema macht, und das auf so künstlerische, anmutige und bewegende Weise. Unterstützt wird er dabei übrigens schon wie in "Requiem for a Dream" von der melancholischen Musik Clint Mansells, die das Mitfühlen der Trauer großartig verstärkt.

Aronofsky ist so kompromisslos, dass er manchmal in Gefahr gerät, unfreiwillig komisch zu wirken, und vielleicht ist seine letztliche Botschaft (das Akzeptieren des Todes ist die einzige Waffe gegen ihn) ein wenig zu schlicht, doch "The Fountain" wagt den Weg der Kunst, um ein zutiefst menschliches und uns alle betreffendes Thema zu erforschen. Dafür, und dass er dabei alle Regeln der klassischen Erzählkunst bricht, hat er meinen uneingeschränkten Respekt.
"The Fountain" ist ein Film, der tief unter die Haut geht. Das kann ich wirklich nur von wenigen Filmen behaupten.

08/10

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