Samstag, 13. Februar 2010

Flüsternde Schatten (1958)

Wer jemals das Vergnügen hatte, diesen unbekannten, kleinen, aber hochspannenden Thriller im TV-Nachtprogramm zu erwischen, hat ihn wahrscheinlich - genau wie ich - nie vergessen, denn seine Ausgangssituation und die überraschende Auflösung bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Bei uns heißt der Film "Flüsternde Schatten", er wurde 1958 von Michael Anderson im Stile Hitchcocks inszeniert. Natürlich erreicht er nicht ganz die Qualität des großen Meisters, kommt diesem aber sehr nahe.

Die Handlung: Die vermögende Erbin Kimberly Prescott (Anne Baxter) lebt allein in ihrer einsamen Villa an der Küste Spaniens. Eines Nachts steht plötzlich ein Fremder (Richard Todd) vor der Tür und behauptet, ihr verstorbener Bruder zu sein. Kimberly versucht verzweifelt, die Polizei und Verwandte davon zu überzeugen, dass der Mann lügt, aber aus verschiedenen Gründen glauben ihm alle. Bald schon zieht er mitsamt finsteren Helfern bei Kimberly ein. Was plant der Unbekannte, oder ist er womöglich wirklich Kimberlys Bruder? Die Situation wird immer mysteriöser...

Die Frage, ob Richard Todd nun besagter Bruder ist oder nicht (und wenn nein, was er will), hält den Film bis zum Schluss in Dauerspannung, so wie seinerzeit Hitchcock die Frage stellte, wohin die englische Dame verschwand, und warum alle behaupten, dass es sie nie gegeben habe. Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein klaustrophobisches Kammerspiel, in welchem Anne Baxter mehrfach versucht, den Fremden auszutricksen, der aus dem Kräftemessen aber immer wieder als Sieger hervorgeht, bis sie kurz davor ist, den Verstand zu verlieren. Michael Anderson streut einige gelungene Schockmomente ein und zollt dem Vorbild in mehreren Suspense-Sequenzen seinen Tribut, etwa mit übergroßen Requisiten (zwei Cognacgläser mit Fingerabdrücken) und raffinierter Bildauflösung.

Mit Anne Baxter ("Ich beichte") und Richard Todd ("Die rote Lola") besetzte Anderson interessanterweise zwei Darsteller, die schon Hitchcock-Erfahrung besaßen, von diesem aber nicht besonders gemocht wurden. Hier zeigen sie Spitzenleistungen. Todd ist sowohl bedrohlich als auch charmant, Baxter spielt von heiterer Überheblichkeit bis totaler Verzweiflung und Hysterie eine reiche Palette an Emotionen. Das sonnige Setting ist ungewöhnlich attraktiv, unvergesslich bleibt die spanische Gitarrenmusik (Solist: Julian Bream), die das düstere Geschehen begleitet. Die Auflösung werde ich natürlich nicht verraten, aber sie ist ebenso unwahrscheinlich wie packend.

Der Stoff wurde übrigens mehrfach verfilmt, u.a. 1984 mit Judy Winter im Fernsehspiel "Der Besuch".

09/10

Kommentare:

  1. Den kenne und liebe ich auch und habe ihn, Gott sei Dank, noch auf VHS ... zum immer wieder gucken. ;-)

    Danke für die Erinnerung.

    LG, Pia

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    1. Hallo, Pia... Du hast diesen Film auf VHS? Wäre es möglicher mir eine Kopie zu machen. Ich suche ihn schon so lange. Ich würde auch angemssen bezahlen. Hier meine E-Mail Adresse: jan.haas@stadtlandzeitung.com

      lg
      Jan

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  2. Da gibt es auch eine schöne UK-DVD!

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  3. Tatsächlich? Hui, das ist mir bisher entgangen. Danke für den Tipp. Da werd ich doch glatt mal gucken ... ;-)

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