Mittwoch, 17. Februar 2010

Fatale Begierde (1992)

FATALE BEGIERDE (Unlawful Entry) ist ein hochklassiger Psycho-Thriller aus dem Jahr 1992, der im Zuge einer Filmwelle entstand, in welcher sich Psychopathen stets Zugang zu Heim und Leben von unschuldigen Mittelklasse-Bürgern verschafften. Hier ist es Ray Liotta als eiskalter Polizist, der nach einem Einbruchsversuch im Haus von Kurt Russell ermittelt und sich dabei in dessen wunderschöne Gattin Madeleine Stowe verliebt, die ihm mit einer unbedachten Äußerung ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt. Als Russell ihm klarmacht, wo seine Grenzen liegen, beginnt ein Psycho-Terror, der es in sich hat, mit mörderischem Ausgang...

Regisseur Jonathan Kaplan inszeniert den Thriller sehr ruhig, aber mit konstant steigender Spannungskurve. Sein Film schildert sehr deutlich, wie ein Stalker aus völlig unberechenbaren Gründen plötzlich seinen Wahn entwickelt und jedem Menschen das Leben zur Hölle machen kann. Karriere, Besitz und Beziehung halten einem solchen Druck nicht lange Stand. Jeder Versuch, "vernünftig" mit ihm zu sprechen, muss scheitern, weil der Stalker längst nicht mehr an menschliche Vernunft gekoppelt ist.

Ray Liotta spielt diesen Psychopathen mit geradezu elektrisierender Intensität, er ist von nichts und niemandem aufzuhalten. Als Polizist sitzt er dazu in einer Machtposition, die es ihm ermöglicht, gezielt das Leben von Kurt Russell auseinanderzunehmen, was im Zuschauer sehr beunruhigende Gefühle auslöst (was wäre, wenn uns das passierte?). Er sperrt Russells Kreditkarten, startet einen Rufmord, erfindet ein Vorstrafenregister, versteckt Drogen in dessen Auto und schafft es schließlich, dass Russell unschuldig hinter Gittern landet.

Das ist tatsächlich ein Schreckens-Szenario, das mehr Horror auslöst als jeder Teenie-Slasher. Kurt Russell ist exzellent als durchschnittlicher Yuppie (Russell gehört zu den meistunterschätzten Schauspielern der 80er und 90er, seine Wandlungsfähigkeit ist immer wieder erstaunlich), Madeleine Stowe muss hier nicht viel mehr tun als schön zu sein und überzeugend das Objekt von Liottas obskurer Begierde darzustellen, das macht sie ganz ausgezeichnet (sie ist nach mehreren Erfolgen in den 90ern irgendwie aus dem Kino verschwunden, was ich sehr schade finde).

Gegen Ende serviert Jonathan Kaplan einen Schock, der es in sich hat, ansonsten aber verzichtet er völlig auf plakative Gewalt und bemüht sich, die Handlung stets realistisch zu halten. James Horner hat einen sehr leisen, stimmungsvollen Score komponiert, der ebenso unaufdringlich ist. Insgesamt ist FATALE BEGIERDE ein Musterbeispiel für den 90er-Jahre-Thriller und hätte mehr Aufmerksamkeit verdient als einige der oben genannten Filme.

07/10

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