Montag, 15. Februar 2010

Fahrstuhl zum Schafott (1958)

Es gibt wohl kaum eine Film-Bestenliste, in der FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT von Louis Malle nicht auf den obersten Plätzen auftaucht. Manche der anerkannten Filmklassiker müssen im zeitlichen Zusammenhang gesehen werden, um sie heute vollständig genießen zu können, aber FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT gehört nicht dazu. Er ist zeitlos schönes, berauschendes Kino, voll Atmosphäre, Spannung und Melancholie. Er ist gleichzeitig nachtschwarzer Thriller und moralisches Drama.

Begleitet von der wundervollen Musik Miles Davis' streift die junge Jeanne Moreau durch das nächtliche Paris, auf der Suche nach ihrem Geliebten. Dieser steckt nach einem begangenen Mord (an Moreaus Ehemann, was beide so geplant haben) in einem Fahrstuhl fest und versucht verzweifelt, seinem jetzigen und dem drohenden Gefängnis zu entkommen. Doch das ist nur einer der Handlungsstränge. Was immer man als Zuschauer erwartet, keine der Wendungen ist vorhersehbar und dennoch zwingend.

Im Universum von FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT hat jede Handlung weitreichende Konsequenzen, die von den Protagonisten nicht abzusehen sind, mit denen sie früher oder später aber konfrontiert werden. Gerechtigkeit wird nicht vom Gesetz bestimmt, und niemand entgeht seinem selbstgewählten Schicksal.

Obwohl ein Aushängeschild der Nouvelle Vague, (Originalschauplätze, umgekehrte Sehgewohnheiten, experimentelle Schnitte), ist FARHSTUHL ZUM SCHAFOTT ebenso dem amerikanischen Film Noir der 40er verpflichtet, insbesondere den großen Meisterwerken von Billy Wilder und Fritz Lang. Diese Mischung ist unwiderstehlich, selten haben in der Filmgeschichte derart verschiedene Einflüsse zu einem so geschlossenen Gesamtkunstwerk zusammengefunden. Das Paris, das Malle zeigt, ist gleichzeitig realistisch und abstrakt, weit entfernt von Postkartenansichten. Die Stadt ist niemals Kulisse, sondern Teil der Geschichte und seiner Figuren. Jeanne Moreau ist unvergesslich als Florence. Zunächst selbstsicher und beherrscht, verliert sie immer mehr die Kontrolle über ihr Leben. In ihren großen Augen sind die Schuldgefühle, die Ungewissheit und die Angst vor den Konsequenzen ihrer Unmoral deutlich sicht- und fühlbar.

FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT war Louis Malles Filmdebüt, was beinahe unglaublich scheint. Leise, langsam, schwermütig und düster ist sein Film eine absolute Sternstunde des Kinos und Pflichtprogramm für alle Cineasten.

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...