Mittwoch, 17. Februar 2010

Fabulous - The Story of Queer Cinema (2006)

Der Titel von FABULOUS - THE STORY OF QUEER CINEMA aus dem Jahre 2006 ist insofern irreführend, als er sich fast ausschließlich auf den amerikanischen Independent-Film bezieht. Europäische Beiträge werden zwar ganz kurz gestreift, aber ansonsten ignoriert.

Inhaltlich ist FABULOUS eine Fortsetzung der Dokumentation "The Celluloid Closet", welcher aber im Vergleich deutlich origineller und unterhaltsamer war. Formal ist er aufgebaut wie ein professionelles Making Of, soll heißen, es sitzen Filmemacher, Schauspieler und andere Filmschaffende vor bunten Hintergründen und schildern ihre persönlichen Erfahrungen mit dem schwul-lesbischen Kino und erläutern, was sie mit ihren Beiträgen zum Genre bezweckt haben.

Zu Wort kommen u.a. John Waters (immer gern gesehen und der einzig wirklich interessante Erzähler), Ang Lee, Todd Haynes, Heather Matarazzo, Gus van Sant, und viele andere. Die Filmausschnitte sind (zu) kurz eingebaut, um das Ganze auflockern, trotzdem wirkt der Film sehr uninspiriert. Er hakt brav die Chronologie der Ereignisse ab, es gibt viele Klischees und Sentimentalitäten zu hören, der Fokus liegt klar auf dem Independent-Film der letzten 20 Jahre und endet mit dem Mainstream-Erfolg von "Brokeback Mountain". Für einen Überblick über das Genre (und geoutete Filmschaffende) lohnt sich FABULOUS, ansonsten muss man ihn nicht gesehen haben. Die einzig spannenden Momente kommen am Ende, wenn die Beteiligten äußern, welche Wünsche sie ans schwul-lesbische Kino haben, und da sagt z.B. Schauspieler Alan Cumming ("Eyes Wide Shut") sehr erfrischend, dass er keine schönen Schwulen mit rasierter Brust, die in der PR- oder Werbebranche arbeiten, mehr sehen will. Da kann ich nur zustimmen.

Der Hammer dieser DVD liegt in den Untertiteln versteckt und soll/muss erwähnt werden. Bei einem Ausschnitt aus dem Film "Billy's Hollywood Screen Kiss" fragt Sean Hayes seinen Kollegen "Are you straight?", und die Untertitel übersetzen: "Bist du NORMAL?" (!!) Äh, Entschuldigung, aber heterosexuell = normal? Und das bei einem Film, der vom Kampf um Akzeptanz und Identität berichtet, alle Achtung! Der Verantwortliche sollte sich in Grund und Boden schämen, und Pro-Fun-Media gleich dazu. Mir ist übertriebene Political Correctness zuwider, aber vielleicht sollte man die Untertitel nicht bei George W. Bush oder Arnold Schwarzenegger in Auftrag geben.

03/10

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