Freitag, 12. März 2010

Exorzist II - Der Ketzer (1977)

"Exorzist II" ist sicher in die Filmgeschichte eingegangen als eine der schlechtesten Fortsetzungen aller Zeiten. Das ist umso bedauerlicher, als Regisseur John Boorman hier keinen billigen Abklatsch des Originals hingelegt hat, sondern an einer durchaus anspruchsvollen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse interessiert ist.

Hilft aber nichts, denn dem Film fehlt es einfach an einer Figur, für die der Zuschauer auch nur ansatzweise Interesse zeigt. Richard Burton schlafwandelt scheinbar auf Valium durch den Film, Louise Fletcher wirkt immer peinlich berührt, Linda Blair beweist, dass sie nicht das Talent hat, eine Hauptrolle mit Leben zu erfüllen und wirkt oft unfreiwillig komisch.

Dass der Film ständig die Schauplätze wechselt und man nie weiß, worum es eigentlich überhaupt geht, versetzt der Fortsetzung dann den Todesstoß, zumal besonders die lächerlichen Afrika-Szenen mit billigen Pappkulissen total fehl am Platze wirken. Es kommt einfach nie Spannung auf, die Erzählung ist konfus bis abstrus, und Ennio Morricones Musik passt schlicht nicht in den Film und wirkt störend.

Hier hatte einfach jeder der Beteiligten seinen schlechtesten Tag. Ob nun ein Director's Cut (der Film wurde drastisch gekürzt und umgeschnitten, als er herauskam) dem Ganzen, hilft, darf bezweifelt werden.

04/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,


    Schade : noch ein Verriss !

    Dann gehöre ich wohl zu den ganz wenigen auf dieser Welt, die diesen Film schätzen. Komischerweise habe ich THE EXORZIST seinerzeit bei seiner Originalaufführung nicht gesehen wegen des öffentlichen Hypes über die Special Effects und der teilweise zotigen Sprache.

    Daher kam bei mir EXORZIST II 1977 zuerst und der Film hat mich sofort in seinen Bann geschlagen. Vielleicht auch weil er meine damaligen Träume von exotischen Orten beflügelte. Richard Burton ist als Priester sicher nicht die glaubhaftigste Besetzung zumal sein Valium bekanntlich Whisky hiess. Aber wenn man ihn einmal für diesem Film akzeptiert hat, lässt man es auch dabei bewenden. Louise Fletcher und Linda Blair setzen mehr oder weniger ihre Rollen aus EINER FLOG ÜBERS... und THE EXORZIST fort.
    Mit beiden kann ich hier gut leben.

    Was die Pappkulissen angeht so gehören die hier zur atmospherischen Dichte des Films genauso wie der Heuschreckenflug und das Eingeborenendorf. Selbst Grossmeister Hitchcock hat vielfach auf Papp-, d.h. Studiokulissen zurückgegriffen,
    ohne dass er dafür gescholten wurde.

    Inzwischen wurde ja eine 112-Minuten-Fassung auf DVD gepresst, während damals im Kino noch eine 98-minütige Version lief. Daher ist das Finale des Films ein bischen uneben geraten. THE EXORZIST habe ich übrigens in den 80er Jahren als Wiederaufführung gesehen und ebenfalls schätzen gelernt.

    The truth is out there !

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Ralf, ich habe so oft versucht, mich mit dem Film anzufreunden, ich konnte es einfach nicht. Allein die steppende Linda Blair treibt mich jedes Mal ins Nirwana. Sorry! :-)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...