Samstag, 13. Februar 2010

Es geschah in einer Nacht (1934)

Die verwöhnte Millionärstochter Ellie (Claudette Colbert) flüchtet vor ihrem Vater (Walter Connolly), welcher ihr die Heirat mit einem windigen Playboy verbietet, und macht sich alleine und per Bus auf die Reise nach New York. Dabei wird sie vom rasenden Reporter Peter (Clark Gable) aufgespürt, der eine heiße Story wittert...

Mit ES GESCHAH IN EINER NACHT hat Frank Capra 1934 einen großen Klassiker der Filmkomödie inszeniert und das Genre der Screwball Comedy offiziell erfunden. Capras Film besticht durch den dialogstark ausgetragenen Kampf der Geschlechter, ein enormes Erzähltempo und einige romantische Konstruktionen, ohne die auch heute kaum eine Komödie auskommt. Was ihn aber neben den quirligen Darstellungen und amüsanten Wort-Duellen so besonders macht, ist Capras Sinn und Blick für sozialen Realismus.

ES GESCHAH IN EINER NACHT entstand während der Depressionszeit, die Capra nicht zwecks romantischer Verklärung leugnet, sondern gezielt in seine Geschichte einbaut. So begegnen Gable und Colbert auf ihrer Reise auch Armut und Obdachlosigkeit, verzweifelten Menschen und hungernden Kindern. Dieser Realismus bildet einen glaubwürdigen Hintergrund und stärkt die Charaktere. Die behütet im Luxus aufgewachsene Colbert entdeckt erstmals die "wahre Leben", erst der neu geschaffene Blick macht sie schließlich bereit für die Liebe, welche für sie bislang nur harmlose Abwechslung eines langweiligen und problemfreien Alltags war.

Viele Szenen bleiben unvergesslich, etwa wenn unser Pärchen auf der Landstraße versucht, ein Auto anzuhalten. Gable spielt sich als Besserwisser mit korrekter Technik auf, während Colbert nur kurz den Rock heben und den Blick auf ihre Beine freigeben muss, um einen Verkehrsstau zu verursachen. Ebenso klassisch die Sequenz, in der beide sich ein schäbiges Hotelzimmer teilen müssen und Colbert darauf besteht, das Zimmer per Wäscheleine und Laken zu trennen, die "Mauern von Jericho".

ES GESCHAH IN EINER NACHT war ein Sensationserfolg und erhielt 5 Oscars in den wichtigsten Kategorien (Film, Buch, Regie & beide Hauptdarsteller), das hatte dem Film niemand zugetraut. Der Verkauf von Herren-Unterhemden ging angeblich drastisch zurück, weil Gable als erster Leinwandheld keines trug. Weder Gable noch Colbert waren die erste Wahl für Capra. Claudette Colbert hatte Gerüchten zufolge so wenig Lust auf den Film, dass sie astronomische Forderungen stellte (die alle erfüllt wurden), und der fertige Film gefiel ihr so wenig, dass sie bei der Oscar-Verleihung gar nicht anwesend war und schleunig eingeflogen werden musste. So entstehen Legenden, so entsteht ein Klassiker. Bild- und Tonqualität mögen heute angestaubt sein, aber Herz und Witz des Films leuchten immer noch in finsterster Nacht.

08/10

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