Mittwoch, 17. Februar 2010

Enthüllung (1994)

Mit der Verfilmung des Michael Crichton-Bestsellers ENTHÜLLUNG gelang Regisseur Barry Levinson (Rain Man) 1994 ein großer Kinohit, der für einiges Aufsehen sorgte, weil er das Rollenbild eines typischen Falles von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz umkehrte. So wird der brave Familienvater und Sympathieträger Michael Douglas zum Ziel lüsterner Attacken seiner Vorgesetzten Demi Moore, deren Verführungsversuchen er gerade noch widerstehen kann, die ihn aber kurz darauf offiziell der Belästigung bezichtigt. Douglas nimmt sich eine knallharte Anwältin und klagt zurück, doch im Hintergrund ziehen Konzernchef Donald Sutherland und sein Assistent Dylan Baker bereits ganz andere Fäden...

Man muss es Barry Levinson zugestehen, dass der Film neben seinem schrecklich plakativen Sex-Plot einen sehr passablen Thriller abgibt, der gegen Ende deutlich an Spannung gewinnt, wenn der Belästigungs-Fall in den Hintergrund tritt und Douglas gegen seine eigene Entmachtung im Konzern kämpfen muss und dafür in Hotelsuiten einbricht und sich heimlich Akten besorgt (in der wohl spannendsten Sequenz wird er in einer virtuellen Datenbank von einer digitalisierten Demi Moore verfolgt, was effektiver ist, als es sich in dieser Beschreibung anhört). Levinson gelingt es ebenfalls, die moderne Arbeitswelt und damit den Kapitalismus als perfekte Schlangengrube darzustellen, in der es keine Kollegen mehr gibt, sondern nur noch Konkurrenten und teuflische Machthaber, die ununterbrochen Intrigen aushecken, über Leichen gehen und das Klima vergiften. Das ist natürlich alles übertrieben, die Botschaft stimmt aber. Einige Logiklöcher muss man gnädig übersehen - wie etwa die anonymen Emails, die Douglas erhält, die so kryptisch formuliert sind, dass sie ihm nie weiterhelfen. Wenn sich der Absender schließlich zu Erkennen gibt, fragt man sich ernsthaft, warum diese Person nicht einfach Douglas konkret und persönlich gewarnt hat. Ein weiterer Pluspunkt ist Ennio Morricones klasse Score.

Michael Douglas spielt gewohnt souverän das Opfer weiblicher Gier (wie bereits in "Eine verhängnisvolle Affäre"), die Hauptattraktion ist aber Demi Moore als Chefin aus der Hölle, der man zwar kein Wort glaubt, wenn sie über Fusionen und Hardware plappert, deren Körper aber reinstes Dynamit ist. In meinem Lieblingsmoment - direkt nach der misslungenen "Vergewaltigung" von Douglas - rennt sie hinter ihm her, hängt ihre Brüste über das Treppengeländer und brüllt ihm nach: "Komm' sofort zurück und bring' zu Ende, was du angefangen hast!". Später hält sie vor dem Schiedsgericht, das über den Fall berät, einen so dreisten Monolog über Frauen, Sex und Macht, dass es allen Anwesenden die Sprache verschlägt. Das darf man alles nicht zu ernst nehmen und bringt den Film stets an den Rand des Trashs, macht aber gerade wegen der Unkorrektheit ziemlich viel Spaß. Moores Figur ist so überzeichnet, dass sich der Film verzweifelt bemüht, eine ganze Ladung weiblicher Nebenfiguren aufzufahren, die allesamt nett, seriös und verständnisvoll sind.
Bis auf einen extrem peinlichen Moment, in welchem der Film mit Homophobie einen ganz billigen Lacher erzielt (Douglas träumt, dass er von Chef Sutherland im Fahrstuhl angebaggert wird), kann ENTHÜLLUNG ausgezeichnet unterhalten. Die Nebendarsteller leisten gute Arbeit (insbesondere der immer brillante Dylan Baker), letztendlich aber ist ENTHÜLLUNG die Demi Moore-Zirkus-Show. Ihre Karriere erhielt durch den enormen Erfolg des Films einen so großen Schub, dass sie kurz darauf zur bestbezahlten Darstellerin Hollywoods wurde - nach dem katastrophalen Flop Striptease aber war dies schnell vorbei.

06/10

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