Sonntag, 14. Februar 2010

Ekel (1962)

In Roman Polanskis erstem englischen Film EKEL aus dem Jahr 1962 gibt es nichts Übernatürliches, und doch ist er einer der größten Horrorfilme aller Zeiten, weil er uns den Wahnsinn seiner Heldin detailliert miterleben lässt.

Diese Hauptfigur heißt Carol und wird gespielt von der blutjungen, zerbrechlichen und beinahe emotionslosen Catherine Deneuve. Carol arbeitet als Kosmetikerin und ist extrem still und schüchtern. Vor jeder Annäherung und vor Sex hat sie eine ganz besondere Abneigung. Allein gelassen in ihrer Londoner Wohnung wird ihre Isolation mehr und mehr zur Paranoia, bis sie schließlich zur Mörderin wird...

Polanski erzählt seine düstere Geschichte in hypnotischen Schwarzweiß- Bildern ganz aus der Sicht von Deneuve. Viele Passagen verlaufen stumm oder werden nur vom Ticken einer Uhr begleitet, die Atmosphäre ist klaustrophobisch. Beton wird zu Schlamm, Wände rücken immer näher und engen Carol ein, Unsichtbares bemächtigt sich Carol, Kartoffeln verrotten in der Küche und nehmen seltsame Formen an, ein Teekessel zeigt ein bizarres Spiegelbild von Carol. In ihrer Handtasche findet sich ein gehäutetes Kaninchen. Die vertraute Welt wird zum Alptraum, die Mitmenschen zu Eindringlingen, Todfeinden. Ein Rasiermesser, das zu Beginn noch von Carol verächtlich weggeworfen wird, weil es als männlich-intimes Symbol in ihrer femininen Isolation keinen Platz haben darf, wird zur Waffe. Man möchte wegschauen, aber man kann es nicht.

EKEL ist nicht zur oberflächlichen Unterhaltung geeignet. Polanski, ein Meister des subtilen Humors, verzichtet hier völlig auf jeden Anflug von Heiterkeit. Man wird als Zuschauer immer tiefer in die seelischen Abgründe gezogen und kann nur hilflos zusehen wie das Grauen seinen Lauf nimmt. Einige Anspielungen auf Hitchcocks "Psycho" sind überdeutlich, seine Schlusseinstellung ist beinahe identisch. Wir erfahren nicht, was Carol so verängstigt hat, was sie erlebt hat, um sich in ihren Wahn so hineinzusteigern, kein freundlicher "Psycho"-Psychiater erklärt uns, was hier vor sich geht. Die Geschichte von Carol kann jeden Tag überall um uns herum passieren. Wer weiß, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht? Das macht EKEL so beängstigend.

10/10

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