Mittwoch, 17. Februar 2010

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)

Ein Seitensprung mit einer verführerischen Frau (Glenn Close) und die fatalen Folgen für einen Rechtsanwalt (Michael Douglas) und dessen Familie, davon erzählt EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE (Fatal Attraction) aus dem Jahr 1987, einer der größten Kassenknüller der 80er und Kulturphänomen, vielfach diskutiert, kritisiert, analysiert.

Als Metapher auf die AIDS-Paranoia wurde er gesehen, als Rückkehr zu (verlogenen) konservativen Familienwerten, als Abstrafung der beruflich unabhängigen Frau und als Warnung an alle Ehemänner, die sich mit Seitensprung-Absichten tragen.

Sicher ist von allem etwas im Film vorhanden, doch die eigentliche Brillanz des Thrillers liegt in der Art, wie Regisseur Adrian Lyne sein Publikum gnadenlos manipuliert und sämtliche Regeln der Figurenzeichnung auf den Kopf stellt. Michael Douglas bleibt bis zum Abspann eine sympathische Identifikationsfigur und "Opfer" der weiblichen Attacken, obwohl er bei erstbester Gelegenheit seine Ehefrau betrügt, belügt, seine Geliebte nach Gebrauch kalt abserviert und ihr später einen Schwangerschaftsabbruch nahe legt, bevor er sie verprügelt! Adrian Lyne versucht nicht einmal, den Seitensprung zu motivieren und stellt Douglas mit Anne Archer eine wunderbar warmherzige, schöne und begehrenswerte Ehefrau zur Seite, die ihrem Mann auch noch nach klarer Faktenlage hilfreich zur Seite steht gegen die Bedrohung von außen.

Glenn Close hingegen, streng genommen das eigentliche Opfer, welches von Douglas ausgenutzt, geschwängert und wie ein Papiertaschentuch weggeworfen wird, spielt dermaßen atemberaubend eine so hassenswerte Figur, dass jeder im Publikum sie persönlich umbringen möchte. Kein Wunder, dass Lynes ursprüngliches Ende, in dem Close Selbstmord begeht und Douglas wegen Mordes verhaftet wird, das Publikum kalt ließ. Der Zuschauer will sehen, wie Close kreischend zur Hölle fährt, möglichst blutig, egal ob sie gerade schwanger ist oder nicht. Eine solch schamlose Ausbeutung der niedersten Instinkte des Publikums verdient allerhöchsten Respekt.

So etwas funktioniert natürlich nur mit außergewöhnlichen Darstellern, und diese Glenn Close-Show hat es wirklich in sich. Ob sie das liebreizende Kind ihres Lovers auf einen Rummelplatz entführt, das Kaninchen in den Kochtopf steckt oder sich beim Anblick der heilen Familie im Garten spontan übergibt (ein klarer Kommentar von Adrian Lyne, der noch mit seinem zynischen Schlussbild klarstellt, dass er persönlich völlig andere Werte vertritt als sein Film), als Schauspielerin ist sie so intelligent, dass sie niemals Mitleid zu heischen versucht, sondern sich kopfüber in die Satans-Rolle wirft, und dabei hat sie mörderischen Spaß.

Man kann der VERHÄNGNISVOLLEN AFFÄRE vieles vorwerfen - er ist undifferenziert, reißerisch, extrem frauenfeindlich (sogar Douglas' bester Freund ist als sexistisches Moppelchen ein Sympathieträger), er ist aber auch gnadenlos spannend und präzise inszeniert. Das Timing und die langsame Steigerung der Intensität sind bemerkenswert, ebenso die Filmmusik von Maurice Jarre, die so subtil und unterschwellig eingesetzt wird, dass man sie kaum wahrnimmt.

Wenn auch der Vergleich mit Hitchcock angesichts einer VERHÄNGNISVOLLEN AFFÄRE absurd scheint - Lyne bekommt in jeder Sekunde genau die Reaktion vom Zuschauer, die er haben will, insofern gehört der Thriller trotz allem Negativen zum Besten, was das Genre hervorgebracht hat. Ein heutiges Publikum würde ihn übrigens bei weitem nicht mehr so erregend finden wie das damalige, so sehr ist der Thriller seiner Zeit geschuldet.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...