Mittwoch, 17. Februar 2010

Eine Sommernachts-Sexkomödie (1982)

Neben SEPTEMBER war EINE SOMMERNACHTS-SEXKOMÖDIE Woody Allens größter finanzieller Misserfolg und gilt bis heute als schwacher Film, dabei lohnt sich das Ansehen in jeder Beziehung. Allein die Farbfotografie von Gordon Willis ist wundervoll, der Film gehört sicher zu den visuell schönsten Werken Woody Allens.
Immer wieder unterbrechen Naturbilder die Handlung, und häufig werden die Charaktere in Beziehung zur überwältigenden Landschaft gesetzt (oft sieht man die Menschen klein und unbedeutend neben riesigen Bäumen und in weiten Feldern). Die Geschichte parodiert einen typischen Boulevardkomödien-Plot: Mehrere Menschen treffen sich um die Jahrhundertwende zu einem vergnügten Wochenende in einem Landhaus. Inmitten der idyllischen Natur brechen sämtliche verborgenen und offenen Leidenschaften der Figuren füreinander aus.

Das Darsteller-Ensemble ist hinreißend. Dies war die erste Zusammenarbeit von Woody Allen mit Mia Farrow, und allein die Szene, in der er ihr begegnet (sie wird als Sommergast überraschend mitgebracht) lohnt den Kauf der DVD. Selten war Woody Allen liebenswerter in seiner Darstellung als hier - empfohlen ist übrigens dringend die englische Sprachfassung!
Der Grund für das schlechte Abschneiden des Films bei Publikum und Kritik liegt in seiner Sperrigkeit und der Tatsache, dass er die (falschen) Erwartungen des Titels nicht erfüllt. Dieser ist mehr als nur ironisch gemeint. EINE SOMMERNACHTS-SEXKOMÖDIE ist vergleichsweise langsam erzählt, der Humor äußerst subtil und die Geschichte vielmehr intellektuell verspielt als deftig.

Es ist geradezu befreiend mitanzusehen, wie Woody Allen immer wieder die typischen Hollywood-Regeln bricht. So ist der große Höhepunkt des Films die Szene, in der Mia Farrow sich zwischen Allen und dessen besten Freund entscheiden muss, bewusst gegen jede Erwartung inszeniert. Die Figuren stammeln und brabbeln vor sich hin, anstatt große Liebeserklärungen von sich zu geben.

"Eine Sommernachts-Sexkomödie" ist vielleicht kein Meisterwerk im Schaffen des Regisseurs, aber er unterhält glänzend, er sieht umwerfend aus und ist auf so vielen Ebenen befriedigender als vergleichbare Mainstream-Komödien, dass sich ein erneutes Ansehen jederzeit lohnt. Auch, weil es Allen wunderbar gelingt, einen Hauch von Magie in die Handlung einzuflechten.

08/10

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