Mittwoch, 17. Februar 2010

Eine handvoll Staub (1988)

"Eine Handvoll Staub" von Charles Sturridge, nach dem Roman von Evelyn Waugh, erzählt von einem englischen Ehepaar, das auf einem riesigen und seelenlosen Landsitz vor sich hinlebt. Während sie (Kristin Scott Thomas) aus lauter Langeweile eine Affäre mit einem Emporkömmling (Rupert Graves) beginnt, spürt ihr Mann (James Wilby), dass sein Leben an ihm vorbeizieht. Als eine persönliche Tragödie die beiden heimsucht, trennen sich ihre Wege, aber das Glück ist immer noch weit entfernt...

"Eine Handvoll Staub" ist den Werken der berühmten Merchant/Ivory Produktionen ("Howards End" oder "Maurice") sehr ähnlich, legt viel Wert auf Details einer vergangenen Epoche und ist verschwenderisch ausgestattet. Die Psychologie der Figuren ist differenziert, als Zuschauer kann und soll man keine der Figuren wirklich mögen, zu sehr sind sie alle mit sich selbst beschäftigt, während sie im Wohlstand dahinvegetieren und falschen Zielen nachjagen. Selbst der Bruch mit diesem Wohlstand, der spät einsetzt, kann nichts mehr an ihrem verpfuschten Leben ändern. Somit ist "Eine Handvoll Staub" alles andere als ein plüschiger Wohlfühlfilm. Er erzählt von verlorenen Träumen und gescheiterten Lebensentwürfen ebenso wie vom nahenden Zusammenbruch des Klassensystems.

Getragen wird der Film von einem erstklassigen Darsteller-Ensemble, angeführt von der immer wunderbaren Kristin Scott Thomas, die einer ehebrecherischen und gelangweilten Figur noch menschliche Tiefe abgewinnen kann und nie ihre Würde verliert. Im besten Moment des Films erfährt sie vom Tod eines geliebten Menschen und flüstert "Gottseidank", weil sie befürchten musste, dass es ihren Liebhaber erwischt hat. Dieser Faux Pas geht tief unter die Haut. James Wilby spielt glänzend den unreifen Mann, der nie erwachsen geworden ist und immer noch bedauert, dass er sein Leben nicht meistern kann, was zu einer katastrophalen Entscheidung im letzten Drittel der Geschichte führt. Rupert Graves spielt hier den Liebhaber von Wilbys (Film-)Ehefrau Scott Thomas - eine amüsante Besetzung, spielte er doch kurz zuvor in "Maurice" den Liebhaber von - eben, James Wilby! In Nebenrollen glänzen Anjelica Huston, Judi Dench und Alec Guiness.

Zu erwähnen ist noch die großartige Musik von George Fenton, welche die große Traurigkeit der Charaktere und die Sehnsucht nach einem besseren Leben unterstützt. Für den Liebhaber britischer Kostümdramen eine absolute Perle des Genres, auch wenn der Film hierzulande nie wirklich bekannt geworden ist.

08/10

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