Montag, 15. Februar 2010

Eine auswärtige Affäre (1948)

FOREIGN AFFAIR (Eine auswärtige Affäre) aus dem Jahr 1948 ist hierzulande selten zu sehen und wurde nie deutsch synchronisiert (weshalb die DVD auch lediglich eine OmU-Fassung bietet), dabei handelt es sich bei der Komödie um einen der besten Filme von Billy Wilder.

Im geteilten Nachkriegs-Berlin soll Jean Arthur als zähe Miss Frost (der Name ist Programm) die Moral der US-Truppen überprüfen. Von jener ist aber nicht mehr viel vorhanden, und die steife Miss Frost verfällt ausgerechnet dem Army Captain John Pringle (John Lund), dem größten Schlawiner von allen, der nebenbei eine heiße Affäre mit Nachtclub-Sängerin und ehemaliger Nazi-Gefährtin Erika (Marlene Dietrich) pflegt...

Wilder und seine Drehbuchautoren feuern von der ersten Filmminute (in der Jean Arthur wunderbar eingeführt wird: anstatt sich das zerstörte Berlin aus dem Flugzeugfenster anzusehen, schreibt sie zunächst ihren Bericht fertig, schraubt den Füller sachgerecht zu und braucht praktisch ewig, um sich dem wahren Leben jenseits ihrer Akten zu widmen) ein wahres Feuerwerk an Gags und scharfer Beobachtung ab. Interessant ist dabei Wilders Darstellung der ehemals verfeindeten Mächte. Die Siegermacht USA besteht fast ausnahmslos aus lüsternen Soldaten, welche die deutschen Frauleins verführen wollen, die besiegten Deutschen sind durchaus sympathische Überlebenskünstler, denen man allerdings nicht trauen kann.

Ähnlich wie im späteren EINS, ZWEI, DREI macht sich Wilder über alles lustig, was uns Schmerzen bereitet, anders als in jenem Film aber findet er in FOREIGN AFFAIR auch menschliche Wärme und verkneift sich jeden Zynismus, ohne dabei jemals kitschig zu werden. Die "Mensch-werdung" von Jean Arthurs Paragraphenreiter Miss Frost geht tatsächlich zu Herzen. In der besten Szene des Films sucht sie mit ihrem Captain im Aktenarchiv nach Beweisen für Dietrichs Nazi-Bekanntschaften. Sprichwörtlich wie buchstäblich von Lund in die Enge getrieben (sie steckt am Ende zwischen den Aktenschränken fest) muss sie erkennen, dass sie sich unsterblich verliebt hat. Hier sind Dialoge und Inszenierung von unglaublicher Brillanz.

Marlene Dietrich stiehlt als Erika von Schlütow allen die Schau. Begleitet von Komponist Friedrich Hollaender am Klavier singt sie Black Market , The Ruins of Berlin und Lovely Illusions . Ihre Schönheit und Gerissenheit werden von Wilder genial für die Darstellung der Besiegten genutzt, die mit aller Kraft ums Überleben in einer chaotischen Welt kämpfen.

FOREIGN AFFAIR ist noch mehr als ein fantastischer Klassiker der Komödie, er ist gleichzeitig ein wichtiges Zeitdokument und Paradebeispiel, wie man mit Charme und Intelligenz auch die düstersten Stoffe zuschauergerecht umsetzen kann - ähnlich wie es Wilders Mentor Lubitsch mit SEIN ODER NICHTSEIN vorgemacht hat.

10/10

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