Sonntag, 2. Mai 2010

Ein unmoralisches Angebot (1993)

Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, dass Adrian Lynes EIN UNMORALISCHES ANGEBOT 1993 wochenlang die Medien bewegte und alle Welt ernsthaft über den absurden Inhalt dieser Edelschmonzette diskutierte, ähnlich wie zuvor über Lynes ähnlich spekulativen "Eine verhängnisvolle Affäre", und zwar über die Frage, ob man für eine Million seinen Partner betrügen würde.

Natürlich lautet die im Film gestellte Frage etwas anders, denn hier geht es nicht um irgend jemanden, sondern um Robert Redford, der zwar genug Weichzeichner bekommt, um Johannes Heesters als Teenager durchgehen zu lassen, bei dessen Anblick aber nicht wenige Frauen besagte Frage mit "Ich mach's für 10, wo darf ich mich ausziehen?" beantworten würden.

Die reizende Demi Moore muss jedenfalls nicht lange überlegen, und auch Ehemann Woody Harrelson geht davon aus, dass seine Frau schneller in Redfords Bett landet als er bis drei zählen kann (das heißt, sofern er das kann). Da die beiden aber gerade in Las Vegas ihr gesamtes Vermögen verspielt haben (sie sind so blöde, dass sie an einem Tag Unmengen von Geld gewinnen, am nächsten Tag aber ALLES wieder verspielen!), kommt Redfords Angebot gerade recht. Ob sie "es" oder ob sie es nicht tut, ist schnell klar, denn wenn sie es nicht täte, wäre der Film nach 20 Minuten zu Ende. Dann folgt das übliche Drama von Eifersucht, Partnertausch und Wiederentdeckung wahrer Werte.

Die Handlung von EIN UNMORALISCHES ANGEBOT ist dermaßen trivial, dass man den Film nur als Märchen wahrnehmen kann, da er in keiner Realität unseres Sonnensystems spielt. Allein die Schluss-Sequenz ist dermaßen unglaubwürdig konstruiert und verkitscht, dass sich sämtliche Fußnägel aufrollen. Redfords großer, romantischer Monolog über eine verlorene Liebe in der U-Bahn ist schamlos aus "Citizen Kane" geklaut - und die beiden Filme haben künstlerisch ungefähr so viel gemeinsam wie Shakespeare mit Pilcher.
Die zweite Hälfte des Films zieht sich nicht nur in die Länge, sondern bietet auch noch hemmungslos unfreiwillige Komik. Unvergessliche Filmdialoge wie Humphrey Bogarts "Ich schau dir in die Augen, Kleines" verblassen bei Harrelsons Liebeserklärung an Demi Moore: "Diana, ich wollte, dass du das Nilpferd bekommst". Und die mehrfach ausgesprochene Botschaft des Films ("Wenn du etwas liebst, gib es frei...") ist nichts anderes als wiedergekäutes Gesülze, das esoterisch angehauchte Zeitgenossen gern als Philosophie und Weisheit missverstehen.

Das Positive: Adrian Lyne inszeniert mit gewohnt sicherer Hand und seiner üblichen Werbeästhetik, die extrem hübsch anzuschauen ist. Die Grenze zwischen Kunst und Kitsch ist bei Lyne stets fließend. Für jeden "Lolita" gibt es einen "Flashdance", und für jeden "Jacob's Ladder - In der Gewalt des Jenseits" einen "9 1/2 Wochen". Sein Film profitiert dazu von John Barrys wundervollem Soundtrack und nicht zuletzt von der immer sehenswerten Besetzung, die alles tut, um das Ganze überzeugend über die Bühne zu bringen. Darüber hinaus ist er unterhaltsamer Hochglanz-Trash, nicht mehr und nicht weniger. Ich würde ihn mir für eine Million gerne nochmals anschauen, aber für kein Geld der Welt würde ich ihm die volle Punktzahl geben.

02/10

Na, Lust auf ein Nümmerchen? Ich zahle auch!

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