Samstag, 13. Februar 2010

Ein Toter spielt Klavier (1961)

Eine einsame Villa an der Steilküste der französischen Riviera, eine hübsche Millionenerbin im Rollstuhl, ein verschwundener Papa, der als klavierspielender Toter überall dort auftaucht, wo man ihn am wenigsten erwartet und sein Töchterlein ebenso wie dem Zuschauer eine Gänsehaut nach der anderen beschert, das sind die Zutaten von EIN TOTER SPIELT KLAVIER (Scream of Fear) aus dem Jahr 1961, dem ersten und besten Psycho-Thriller der britischen Hammer-Studios, deutlich beeinflusst von Hitchcocks "Psycho" und besonders Clouzots "Die Teuflischen".

In diesem Schwarz-Weiß-Film mit wunderbar trauriger Atmosphäre an sonnigen Schauplätzen ist nichts so, wie es scheint, das Drehbuch schlägt die verrücktesten Haken und serviert Überraschungen in Serie. Sympathieträger entpuppen sich als dämonische Intriganten, ein zu Beginn gezeigter Selbstmord wird geschickt vergessen und dann plötzlich in Erinnerung gerufen, nichts und niemandem darf man trauen, nicht einmal seinen eigenen Augen. Dieser Film ist schlicht und einfach köstlich unterhaltsame, haarsträubende, nostalgische Gruselkost vom Feinsten, die mir schon in sehr jungen Jahren nach heimlichem TV-Konsum schlaflose Nächte bereitet und bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat. Mit der entzückend verletzlichen Susan Strasberg als Opfer hinterhältiger Attacken und Hammer-Star Christopher Lee als undurchsichtigem Hausarzt sowie Ann Todd aus Hitchcocks "Fall Paradin" ist der Thriller zudem hervorragend besetzt.

EIN TOTER SPIELT KLAVIER will nur 80 Minuten lang unterhalten und den Zuschauer fesseln. Er handelt weder von richtigen Menschen noch will er etwas übers Leben erzählen oder eine Botschaft verkünden. Ein perfekter Thriller für laue Sommernächte und verregnete Sonntage. Regisseur Seth Holt, der auch den wunderbaren "The Nanny" mit Bette Davis inszenierte, starb nur 10 Jahre später tragisch im Alter von 48 Jahren, vereinsamt und alkoholkrank. Was hätte er der Welt noch für schöne Filme schenken können?

10/10

1 Kommentar:

  1. Den haben wir jetzt in den langen Filmnächten zwischen den Jahren gesehen - was für ein Verwirrspiel! Chapeau, Du hast in Deiner Kritik keinen Spoiler drin, prima. Der Film hält gut die Spannung und man vergisst ihn nicht. Außerdem ist Susan Strasberg fast schon zu hübsch und hat in jeder 3. Einstellung eine neue schicke Klamotte an - ist dir das schon mal aufgefallen?

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